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Das epigramm ist gedacht als aufschrift eines denkmals; esist sichtlich durch ein solches veranlasst. Was liegt näherals anzunehmen, dass auf den dichter aus Byzantion einsolches denkmal an der kiiste des nahen busens von Niko-medeia etwa in seiner jugend tieferen eindruck gemacht hatte?Auf kaisermünzen von Nikomedeia begegnet Eros als delphin-reiter (s. 140). Das bild war also der gegend geläufig.
Wenn Dionysos am tage seiner epiphanie als todteraus dem meere zurückgebracht wird, so muss der rettungans land das Wiederaufleben auf dem fusse folgen. In meh-reren der s. 168 zusammengestellten fälle, dass der delphineine leiche ans land bringt, geht die parallele darstellungnebenher, dass der gott oder heros auf dem delphine reitet.So Melikertes-Palaimon auf Korinthischen münzen, auf denmünzen von Iasos Hermias. Kein wunder also, dass nebendem bilde des todten Dionysos zu Nikomedeia der auf del-phin reitende Eros steht, zweifellos eine spätere Verflachungder ursprünglichen sage, eine anpassung an ein modebildspäterer zeit.
An sich ordnet sich die Vorstellung vom tode des Dio nysos auf das beste ein in den griechischen mythenkreis vomkampf des winters und sommers 1 . Nach der dichtung derIlias flüchtet Dionysos , von Lykurgos gescheucht, ins meerzu Thetis ; bei der Boiotischen feier der Agrionia sagte man,dass Dionysos entlaufen sei und sich bei den Musen dh.den Wassernymphen verborgen habe. Nach dem glauben derPaphlagonier ist der gott während des winters gebunden,und seine bande werden im frühling gelöst. Ursprünglicherund desshalb gewiss auch älter war die Vorstellung, nach wel-cher der sommergott durch den winter getödtet wird: so der'Blonde’ (Zav0o?) der Attischen Apaturiensage, der Lyaios inder Überlieferung von Thessalonike, der Karnos des Pelopon-nesischen glaubens. Die Bithynier sind bekanntlich ein zweig
1 Dionysos: Rhein , mus. 53, 373. 376 Paphlagonier: ebend.372,3 Xanthos: ebend. 365f. Lyaios 370 f. Karnos 377. Vgl. Prellerin den berichten der sächs. ges. 1855 b. 7, 26 f.