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V Fisch
des Thrakischen Volkes 1 , also stammverwandt mit den ge-schichtlichen Griechen, aber frühe von diesen losgelöst undbis zu ihrer späteren hellenisierung unberührt von den fort-schritten der hellenischen cultur. Es ist darum nicht zu ver-wundern, wenn sich in Bithynischem Dionysoscultus die ein-fachste und alterthümlichste Vorstellung von dem scheidendes sommergottes, die des todes, erhalten hat. Dass Dionysos ,der nach überwiegender griechischer Vorstellung während deswinters im wasser, sei es bei den quellnymphen, sei es immeere, geborgen ist, durch den delphin auf die erde zurück-gebracht wird, ist nur eine folgerichtige ausgestaltung desmythischen bildes. Den Bithyniern galt er als gestorbenund ins meer versenkt: sie Hessen ihn daher zunächst alsleiche ans land bringen. Vielleicht ist dieser mythus eincompromiss ältester Bithynischer sage mit der griechischenVorstellung, dass Dionysos ins wasser geht: es würden sichdann zwei schichten der sagenbildung von einander abheben,die älteste Bithynische von einfachem tod und Wiederauf-leben des gottes, und eine zweite, welche dem einfluss derfrüh an den ktisten des landes heimischen hellenischen co-lonisation zuzuschreiben wäre, die von dem aufenthalt desDionysos im meere.
1 Vergl. PKretschmer, Einleitung in die gesell, der griecli. spr.
s. 171 ff.