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Die Sintfluthsagen / untersucht von Hermann Usener
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VI Vielfältigkeit der mythischen bilder

seinen feierlichen einzug halten. In der Euböischen sage,wie wir sie aus Oppian kennen (s. 122 f.), sind gar die dreimotive der truhe, des esels und des Schiffes vereinigt. Auchdie den alten vasenmalern so beliebte rückführung des He­ phaistos durch Dionysos wird häufig so dargestellt, dassHephaistos auf dem esel reitet. Es bleibt in allen diesenfällen dieselbe grundvorstellung, wie verschiedenartig auchdas bild sei.

Mit den drei genauer betrachteten bildern ist der vor-rath noch lange nicht erschöpft. Wir sahen, wie in den fest-bräuchen des Dionysos schiff und wagen vereinigt waren.Aus dem schiffe, in dem nach alter sage der gott übersmeer gefahren kam und den gläubigen die fülle des segensbrachte, hatte im cultus ein wagen werden müssen, das schiffwurde auf räder gestellt. In jüngeren darstellungen hältDionysos auf dem wagen, den bald pferde, bald Kentauren,bald wilde thiere ziehen, seinen feierlichen einzug. Und sowurde an Demeterfesten der heilige korb (icdXaOo?) auf demwagen umgeführt 1 . Hier möchte ich die erklärung suchenfür 'des segens schwarzen wagen 2 * , den nach Euripides (Herakl. 780) der gesetzesverächter zertrümmert. So wechselnschon in einem hymnus auf die A<;vin (Rigv. I 116, 4. 5) wagenund schiff als gleichwerthige bilder, und der Tarentinischedelphinreiter besteigt wohl auch einmal den wagen (s. 157, 2).

Wir sehen jetzt, mit welchem rechte wir das schönevasenbild, das den Apollon die lyra in der hand auf einemgeflügelten dreifuss über die wellen hinfahren lässt, ohneweiteres oben (s. 133 f.) als gleichwerthige parallele heran-gezogen haben. Sonst sind uns als bilder für die epiphaniedieses gottes delphin und schiff, bald getrennt, bald ver-einigt, bekannt. In seinem hymnus auf den Pythischen

1 Rhein, mus. 50, 146 vgl. die insehrift von Theira Athen,mitth. 20, 242 BCH 18, 539 zeile 16 xfj toO Ka\d0ou üvatpopä.

2 Anders, aber wie mir scheint, zu künstlich erklärt vWilamo-

witz Her. 2, 172 f. 8 .