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Die Sintfluthsagen / untersucht von Hermann Usener
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189
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Herakles und Christoplioros als träger

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nach dem vorgange Raoul Rochettes 1 2 ihn mit überzeugendengründen als Dionysos. Die epheubekränzung auf C und dieandeutung des meeresgrundes auf A erhalten nur bei dieserdeutung ihren zureichenden grund. Furtwängler hat dagegeneingewendet, dass rothfigurige vasen des schönen stils Diony­ sos nicht mehr bärtig, sondern nur als jüngling darstellen, undist auf Pluton zurückgekommen, den in dieser Verbindungverständlicher zu machen ihm meines erachtens nicht gelungenist. Seine beobachtung über die darstellungsweise des Dionysosaitf vasen habe ich nicht das recht anzufechten 3 . Aber die aus-schliessende allgemeingültigkeit derselben müsste ich in zwei-fei ziehen, auch wenn ausser den obigen drei bildern keinesicheren darstellungen des bärtigen Dionysos auf jüngerenvasen bisher gefunden wären. Es liegt aber eine solchezweifellos vor zb. auf dem von Stackeiberg veröffentlichtenvasenbilde mit der rückführung des Hephaistos 4 . Und wennnicht alles täuscht, so wusste die spartanische Überlieferungvon der rückführung des Dionysos durch Herakles (ob. s. 62).

Dies alte, uns nur zufällig durch vasen erhaltene bildist in der mittelalterlichen legende, ich weiss nicht zu sagen,durch welche Vermittlung, neu aufgelebt. Der h. Christophorussuchte in seiner weise gott zu dienen, indem er, ein riese vongestalt, auf seinen stab sich stützend, die menschen über einenreissenden fluss hinübertrug. Einst hörte er in der nacht eineknabenstimme seine dienste erbitten. Erst bei der drittenWiederholung fand er das knäblein und bereitwillig setzteer es auf seine schultern, um es über das wasser zu tragen.Aber mit jedem schritte, den er im flusse that, stieg daswasser höher und wuchs ihm die last, die er auf den schul-tern trug. Als er glücklich das ufer erreicht, hatte er das

1 Monum. ined. p. 44.

2 in Keschers mythol. lex. 1, 2186 f.

3 vgl. auch OJahns einleitung zum Münchener vasenkatalogp. CXCI. CCV und Thrämer in Koschers lex. 1, 1105 f.

4 OM von Stackeiberg, Gräber der Hellenen taf. 40. Danachin Koschers mytli. lex. 1, 2055.