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Die Sintfluthsagen / untersucht von Hermann Usener
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träger von göttern

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bringt dazu der fährmann Phaon, zu dem Aphrodite in ge-stalt eines alten weibes kommt und von Lesbos (oder Chios)unentgeltlich übergefahren wird * 1 . Ein weiteres beispiel desträgers ist der Kentaure Nessos, der, wie aus der sage vonDeianeira bekannt ist, geradezu des amtes wartete, die men-schen über den fluss Euenos zu tragen 2 . Mit recht hat Eugen Petersen in der Tarentinischen terracotte, die einen Kentau-ren darstellt, in der linken einen mächtigen mischkrug, in dergesenkten rechten eine leier, auf dem rücken einen bequemgelagerten heros tragend, den 'fergen erkannt, der den herosüber den götterstrom ins land der seligen trägt.

II

Eine meist verkannte und oft verhängnissvolle quellevon irrthümern ist für die mythendeutung die andere eigen-schaft des mythischen bildes, die mehrdeutigkeit. Eigent-lich sollte es keines Wortes bedürfen, dass ein bild so vieleverschiedenartige anwendungen zulässt, als es für die sinneoder die innere erfahrung auffällige eigenschaften besitzt.Fuchs nennen wir pferd und menschen, um sie nach ihremröthlichen haare zu bezeichnen, aber ebenso den menschenvon verschlagenem Charakter. Die wespe dient als bild so-wohl um die Schlankheit der gestalt (wespentaille) wie um

f. 13 nennt statt des Anauros den Euenos, Valerius Placcus 1, 83 denEnipeus, Dracontius 10, 57 gar den Ister. Ueber den götterstrom Anau-ros s. unten s. 199.

1 Aelian v. h. 12, 18 Servius z. Aen. 3, 279. Chios wird vonLukianos dial. mort. 9, 2 genannt. Vgl. Göttern, s. 328.

2 Sophokles Trach. 559 Ntooou 8? töv ßaOuppouv TrorapovGflqvov ßpoToix; ptaGoOitöpeue xeporv, °öxe iropuipoic kwuoik; tpea-auuv oüt Xuicpemv vewt; vgl. 564 cpfpwv tu ujpou; Apd. II 7, 6 Gür|vov,tv uj xaOeüöpevoi; Neaaoi; 6 Ktvraupo? toü? iraptövTcn; ötEuöpOpcuepiaOoO, Xefujv uapä Oeujv -ni v uopGpeiav eikrpptvai bxä biKaiocruvqvStrabon x p. 451 6 Ntööoi; - . . Trop0p£Ü(; öuobebEiyptvoi;. PetersenEöm. mitth. 12, 139 vgl. taf. VII.