götterland
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aus; wer auf dem gipfel steht, ist der weit entrückt, dievom lichte erhellt wird. Der merkwürdige glaube von demLykaion ist also eine einfache folge der schon von Homer betonten lichten helle des göttersitzes. Auf der spitze desOita bleibt die asche der dort dem Herakles und Philoktetesdargebrachten opfer unverweht am selben orte * 1 : der götter-sitz ist windfrei. Der fluss 'Anauros’ erzeugt nach Lucanus(6, 369) 'weder nassen nebel noch thaufeuchte luft nochwindströmungen’: das ist, wie schon der scholiast bemerkt,eine richtige ausdeutung des namens. Aus der Iasonsagebekannt, ist dieser fluss zwar bei Iolkos localisiert worden,aber er hat einen durchaus mythischen Charakter. Bei Kalli-machos (h. auf Artemis 101) fliesst er in Arkadien , und anseinen ufern weiden die wunderbaren hirsche mit goldenemgeweih, die Artemis einfängt, um sie ihrem wagen vorzu-spannen. Auch zu Argos und auf Kreta soll es flüsse desnamens gegeben haben 2 , ich weiss nicht, ob in Wirklichkeitoder nur in der sage. Der name lässt nicht daran zweifeln,dass dem götterstrome die eigenschaft der windstille zuge-theilt war, die dem götterland überhaupt zukam. Als irdi-scher niederschlag des himmlischen landes muss auch dieinsei Kreta betrachtet werden, wie eine fülle von sagenzeigt 3 : ein ausfluss dieser geltung war der glaube, dass es
(Eudoxos und Kallimachos bei Antigonos mir. 163 Sotion exc. 4p. 183). Man hatte eine ätiologische legende ersonnen, nachdem derwahre grund vergessen war: der bach war das himmelswasser, demder regen entströmt; wer in ihm steht, ist dem regen entrückt.
1 Arrianos in Stob. ecl. phys. p. 246, 18 Wachsm. s. oben 64, 3.
2 Scliolion zu Hes. Schild 477 bei FRanke p. 287.
3 Statt der eingehenderen begründung, deren obige behaup-tung bedarf, kann ich mich hier darauf beschränken, ein zeugniss desLiber ylosarum herzusetzen, cod. Vat. Palatin, lat. 1773 f. 182 v ‘Ma-charon neson: Creta insula primum sic appellata est’: die nachrichtwird durch Plinius n. h. 4, 58 bestätigt. Dass nach Photios lex.p. 242, 20 und Hesychios MaKdpwv vf)ao<; alter name für die bürgvon Theben war (vgl. schol. Lycophr. 1204), wird verständlich durch dieVorstellung, dass die stadtbeschirmenden götter ihren Wohnsitz auf demstets auch die wichtigsten tempel umfassenden burghügel hätten.