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Die Sintfluthsagen / untersucht von Hermann Usener
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Eros anf delphin. Christus als fisch

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weilen mit dem bild der seligen abgeschiedenen in eines zu-sammenfliessen, ganz so wie die engel der christlichen my-thologie, die eben nur getaufte und leicht verkleidete Erotensind, hat zweifellos gültigkeit vor allem für unser bild, dasso lange als schmuck der gräber beliebt blieb.

Hier eröffnet sich vielleicht das verständniss einer merk-würdigen thatsache. Schon früh tritt der fisch als Symbol fürChristus 1 auf. Durch die sorgfältige Untersuchung Giamb. deRossis ist festgestellt, dass dasselbe auf den bildwerken bisin das IV jahrh. gebräuchlich war und dann zurücktrat. Dieevangelien gaben dazu keinen anlass, auch das alte testamentbietet keine stelle, die man typisch hätte verwenden können;weder der walfisch des Jonas noch der fisch des Tobias (c. 6)konnte anders als auf umwegen mit dem heilswerk in Ver-bindung gebracht werden. Wenn also die kirchlichen Schrift-steller gerne die fische der wunderbaren Speisung heran-ziehen, so ist das ein nothbehelf; man versteht wohl leicht,wie die fische und brote jenes Wunders häufig auf den bil-dern der katakomben und auf Sarkophagen erscheinen undauf die seelenspeise der eucharistie bezogen werden konnten.Aber wie man von dieser Speisung mit'zweienoder'weni-gen fischen 2 auf den 6inen fisch Christus springen konnte,das ist nicht abzusehen. Oft sagen uns die alten, und es

1 Aus der reichen litteratur nenne ich die fleissige, aber weniggesichtete Stoffsammlung von dom Pitra 'IX0YX siue de pisce alle-gorico et symbolico im Spicilegium Solesmense 3, 499544 und dasSendschreiben von Giamb. de Rossi 'de christianis monumentis ixöüv ex-hibentibus ebend. 3, 545 ff., Ferd. Becker, Die darstellung Jesu Christiunter dem bilde des fisches, Breslau 1866 Heuser in Kraus Real-encykl. der ehristl. alterthümer 1, 516 ff. HAchelis, Das Symbol desfisches und die fischdenkmäler der röm. katakomben, Marburg 1888.

2 Bei der Speisung der 5000 männer verfügt Jesus über it4vtöpxout; KOtl böo iyOuac; Matth . 14,17 Marc. 6, 38 Luc. 9,13 Joli. 6, 9;unter die 4000 vertheilt er titrä (dpxout;) Kat öXiya ixöubia Matth .15, 34 Marc. 8, 7. Schon Achelis hat ao. s. 49 aus den wechselndendeutungen der kirchenväter richtig geschlossen, dass der Ursprungdes symbols nicht in einer stelle der schritt liegen könne.