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Die Sintfluthsagen / untersucht von Hermann Usener
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welche der Deukalionischen flnth zu gründe liegt, völliggleichwertig war mit den übrigen gestaltungen desselbenbilde«, die wir durchmustert haben. Diese Vorstellung aber,durch die grammatische analyse verbürgt, durch die sagen-vergleichung bestätigt, ist so verschiedenartig von dem in-halt der fluthsage, dass beide als unvereinbar bezeichnetwerden müssen. Wir stehen vor der räthselfrage, wie dasbild des kleinen Zeus auf den wassern zu einer Deukalioni-sclien fluthsage umgestaltet werden konnte.

2 Wie immer diese Umgestaltung vor sich gegangensein mag, ein keimpunkt, ein anklang an die fluth musstebereits in dem ursprünglichen bilde gegeben sein. Wedereine naturgemässe fortbildung noch eine Verschmelzung miteinqr an sich fremden Vorstellung ist denkbar ohne dieseVoraussetzung. Ich möchte glauben, dass ein sinneneindruckdazu mitgewirkt hat, dass man das aufsteigen des neuge-borenen lichtes mit einer fluthwelle, die den sonnenball wiemit einem rucke emporzuheben scheint, in Verbindung setzte.That,sächlich wiederholt sich diese einfachere Vorstellung dersich aufbäumenden woge oder des aufbrausenden wassersin einer reihe von bildern göttlicher erscheinung.

In der sage von Koiranos (s. 149) und in der Bitliy-nischen legende vom h. Lukianos (s. 173) wird ausdrücklichhervorgehoben, dass der vom delphin getragene durch hochgethiirmte wellen ans land gebracht wird. Noch die Chri-stophoruslegende berichtet, dass, als der heilige, das Christus-knäblein auf den schultern, in den fluss getreten war, 'daswasser des flusses mehr und mehr anschwoll . . . und jeweiter er schritt, um so höher die wellen wuchsen 1 . Dassind nicht willkürliche ausmalungen des wunderbaren. Inder grossartigen Schilderung, die Alkaios von der epiplianiedes Apollon in Delphi entworfen hatte, fehlt nicht der zug,

1 Legenda aurea 100 p. 432 Graesse 'et ecce aqua fluminispaulatim intumeseebat et puer instar plumbi grauissime ponderabat,quantoque magis procedebat, tanto amplius unda creseebat et puermagis ac magis Christophori humeros pondere intolerabili deprimebat.