Indische flutlisage
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ergibt sich daraus, dass der weitere verlauf darauf nicht nurkeine rücksicht nimmt, sondern ihm geradezu widerspricht.Denn nach seiner rettung liegt es Manu ob, 'alle wesen zuschaffen mitsammt göttern, Asuren und menschen und allenweiten und was sich regt und was reglos ist’ (v. 52 ff.).Von der vogelaussendung vollends ist keine spur.
Ich verstehe nicht, wie verständige forscher an einebeeinflussung der indischen fluthsage durch die semitischedenken konnten x . Das einzige, was man dafür anführenkönnte, der 'samen jeglicher art’, wird durch die erzählungdes epos selbst widerlegt. Die indische sage steht ganz aufsich und kann meines eraclitens in befriedigender weise un-mittelbar aus dem mythischen keim, den wir oben bestimmthaben, abgeleitet werden.
Zu gründe liegt auch ihr der aufgang des lichtgottes.Als erster mensch ist Manu ein heros, und seine ursprüng-liche göttliche natur wird, wie das fast regelmässig bei denStammvätern von geschlechtern und Völkern geschieht, nurum eine stufe zurückgeschoben 1 2 : er ist sohn des Sonnen-gottes Vivasvat. Die mythischen anschauungsformen, die fürden vater ausgebildet waren, mussten auch für den sohngelten. Er wird über die fluthen hin zu dem höchsten gipfeldes Himälaya getragen.
Ueberaus wichtig für die Vergleichung ist die rolledes fisches, der als göttliches wesen nicht nur handelt, son-dern im epos auch ausdrücklich bezeichnet wird (s. s. 28).Er dient dem schiff des Manu als geleiter, und das eposhebt wie geflissentlich hervor (v. 34), dass ohne ihn Manusrettung unmöglich sein würde. Den im abschnitt V und VIbetrachteten erscheinungen wächst hiermit ein durchschlagen-der beleg zu. Dass in der indischen fassung eine doppelunggleichwerthiger bilder stattfindet, ist schon früher (s. 138.185) hervorgehoben worden. An sich genügte der fisch alsträger des Manu. Die Verschärfung der fluthvorstellung konnte
1 vgl. oben s. 5 anm. 2.
2 vgl. Stoff des griech. epos s. 20.
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