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Die Sintfluthsagen / untersucht von Hermann Usener
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VII Ergebnisse

3 die erhaltung aller thiergattungen durch mitgenom-mene paare

4 die aussendung der vögel

5 die landung auf hohem berge.

Alle diese züge wird man mit ausnahme der vogelsendungenfür wesentlich erachten müssen. Zwei derselben, die Warnung(n. 2) und die landung (n. 5) waren, das wird jeder zuge-stehn, überhaupt nicht in einer sintfluthsage zu umgehn. Sowerden wir also die drei übrig bleibenden bestandtheile(n. 1. 3. 4) als charakteristische motive der semitischen sage,und darunter die vogelsendung, weil sie nur zur belebungund zum schmucke der erzählung dient, als entscheidendesmerkmal derselben ansehn müssen.

Prüfen wir zunächst, die indische fassung der sage, somuss es auffallen, dass sowohl in der erzählung des Qata -pathabrahmana wie in der ausgeführteren des epos von dendrei charakteristischen Zügen der semitischen sintfluth keineinziger sich wiederfindet. Den grössten nachdruck müssenwir darauf legen, dass jede motivierung der fluth fehlt. Nurbeiläufig wird im epos (v. 29) angedeutet, dass 'die zeit derweltüberschwemmung bevorstehe, aber dies ist nichts alseine durch die philosophische lehre von weltperioden beein-flusste ausdrucksweise des jüngeren dichter«. Dass alles,was auf erden lebt, ausser den insassen des Schiffes durchdie fluth vernichtet wird (vgl. v. 30), versteht sich vonselbst; aber keinem der beiden alten berichterstatter kommtder gedanke, darin einen göttlichen plan zu sehen. Besonderslehrreich ist die behandlung des dritten punktes. Der berichtdes Bralimana weiss nichts davon, dass irgend etwas anderesals Manu selbst in dem schiffe gerettet worden sei; diesererzeugt nach der rettung, ohne es zu wissen, durch seine opferein weib und durch dies reiche nachkommenschaft; wie seineViehherden (v. 9) zu stände kamen, wird nicht gesagt. In derepisode des Mahäbhärata wird Manu allerdings angewiesen,'samen jeglicher art auf das schiff zu bringen (v. 32 vgl. 37).Dass jedoch dieser gedanke dem epos ursprünglich fremd war,