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VII Ergebnisse
künde vermitteln konnte, ist dieser semitische zug des sint-fluthbildes, die errettung der thiere, in die geschichte desDeukalion eingefügt worden. Wenn also, was der augen-fällige träger der semitischen Überlieferung war, das bilddes Schiffes mit den thieren an bord, in die griechische Über-lieferung nicht übergegangen ist, so kann diese überhauptnicht vom osten her beeinflusst worden sein.
6 Schon am ziele könnte unser urtheil ins wanken ge-rathen angesichts einer thatsache, die für semitischen einflussein unwidersprechliches zeugniss scheinen könnte. Plutarch hat die nachricht aufbewahrt, dass 'die mythenerzähler be-richteten, dem Deukalion sei eine aus der truhe aufgelassenetaube zum merkmal geworden für die fortdauer des Unwet-ters, als sie wieder drinnen schütz suchte, und für den ein-tritt heiteren himmels, als sie davon flog’ 1 .
Gerade weil sie ein nebensächlicher, von organischerentwicklung nicht gefordeter zug des mythus ist, muss dieauflassung der Vögel, welche in allen semitischen berichten,wenn wir den Elohisten der Genesis ausnehmen, sich wieder-holt, als entscheidendes merkmal semitischen Ursprungs an-erkannt werden. Es war alter, für eine zeit, welche dencompass noch nicht kannte, unentbehrlicher schifferbrauch,Vögel mit sich zu führen, um sie auf hoher see auflassenund durch ihren flug die richtung nach dem lande bestim-men zu können 2 . Nachdem sie einmal in gebrauch gekommenwar, wurde zu diesem zwecke die haustaube besonders be-liebt, durch die man auch briefliche nachrichten befördernkonnte. Aber den Griechen ist diese, wie wir zufällig durchdas zeugniss des logographen Charon aus Lampsakos wissen,
1 Plut. de soll. anim. 13 p. 968 f ol p4v oöv puOoXö'roi TipAeuKaXumn qpaoi trepumpav 4k Tp«; XdpvaKoq d<piep4vpv bfiXinpa■feviaOai xetpwvoc p4v elauj udXiv 4vöuop4vpv, eüMat; &4 dnoTrTäoav.
2 vgl. Plinius n. h. 6, 83. Auch bei den Indern erwähnt, wiemich Jacobi erinnert, eine kanonische Schrift der Buddhisten diesenschifferbrauch s. Dahlmann, Das Mahäbhärata s. 179. Die tauben aufden Phoenikischen schiffen des Mardonios (s. 255, 1) konnten keineandere bestimmung haben.