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Die Sintfluthsagen / untersucht von Hermann Usener
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auflassung der vögel

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erst im j. 492 bekannt geworden 1 * * * * , dann freilich hat sie sichrasch eingebürgert und weiter nach dem westen verbreitet.Kann es also einen schlagenderen beweis für die semitischebeeinflussung der Deukalionsage geben, als dass in ihr derso spät den Griechen bekannt gewordene heilige vogel derAstarte dieselbe rolle spielt wie in dem keilschriftepos undin der Genesis?

Welcher zeit gehören denn diese ' rnythenerzähler 1 Plu-tarchs an? Wären es die alten logographen und genealogendes fünften jh., so würde ihr zeugniss für griechische volks-überlieferung ins gewicht fallen und uns überzeugen müssen,dass diese sich nicht selbständig und aus sich heraus ent-wickelt hätte. Aber es ist doch wohl klar, dass vor derzweiten hälfte des V jh. die einflechtung der taube überhauptunmöglich war. Und wer ohne Voreingenommenheit die an-gabe Plutarchs mit den griechischen fluthberichten vergleicht,wird sich sagen, dass sie nicht den eindruck macht, als seisie echt griechischen darstellungen der Deukalionisclien fluthentnommen. Die einflechtung der taube gehört einer erzäh-lung an, die semitisches und griechisches gut mischte, viel-leicht auch geradezu semitische sage unter dem griechischennamen Deukalion erzählte, wie wir das an der legende vonHierapolis (s. 47 f.) wahrgenommen haben. Eigentliche mytho-graphie beginnt erst mit der hellenistischen epoche, und dasist zugleich die zeit, wo die orientalischen Überlieferungenin die griechische litteratur eingeführt werden. Selbst wennwir die weitere Verbreitung der orientalischen geschichtenerst von Alexander Polyhistor anheben lassen wollten, er-gäbe sich ein Zeitraum von fast zwei Jahrhunderten, inwelchem jenemythologen des Plutarch ihre schriftstellereientfalten konnten. So gewiss niemand darauf verfallen kann,die erzählung von der Deukalionischen fluth, wie sie nach

1 Charon fr. 3 FHG 1, 32 bei Athen . IX p. 394 e 'aal Xeuxat

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gcvai: sie waren auf den am Athos gescheiterten schiffen des Mar-

donios gewesen, s. auch Aelian v. h. 1, 15. Vgl. YHehn, Kulturpflanzen

und hausthiere (1874) s. 294 (332 8 ) ff.