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VII Ergebnisse
der schrift Von der Syrischen göttin zu Hierapolis umlief,als zeugniss griechischer Überlieferung zu behandeln, eben-sowenig dürfen wir die taube des Plutarch dem griechischenDeukalion zuschreiben; sie mochte hellenistisch sein, helle-nisch war sie nicht.
7 Nicht nur die indische, sondern auch die griechischefluthsage ist, wie wir gesehen, ohne semitischen einfluss zuihrer ausbildung gelangt. Beide sind folgerichtig aus demalten mythischen bilde für den aufgang des lichtes erwachsen.Nur hat die griechische sage durch die Vorstellung, dass diefluth als ein Strafgericht über die gottlose menschheit ver-hängt worden sei, einen Zuwachs erfahren, den wir, ohnehilfe im ausland zu suchen, durch den einschlag eines weitverbreiteten motivs localer sagen leicht erklären konnten.
Als ein räthsel erhebt sich nun die semitische sagen-bildung vor uns. Sie steht ganz auf sich und ist die durch-gebildetste von allen. Wie sollen wir uns ihre entstehungdenken? Es zeigt sich,hier, wie unentbehrlich zum verständ-niss von mythen die kenntniss und Vergleichung älterer sagen-formen ist. Wir würden ausser stände sein, jene frage zubeantworten, wenn wir auf die erzählung der Genesis ange-wiesen wären. Dass ihr sintfluthbericht thatsachen vorführe,die nach göttlicher Offenbarung von Moses niedergeschriebenseien, konnte eigentlich schon nicht mehr behauptet werden,seitdem das neben- und ineinander zweier selbständiger be-richte erkannt war. Aber selbst die annahme, die früherzulässig scheinen mochte, dass die beiden fassungen der Gene-sis ebenso wie die babylonische des Berosos selbständig ausderselben quelle, gemeinsamer Überlieferung der semitischenVölker entsprungen seien, ist nicht mehr haltbar, seitdemdurch den keilschrifttext der beweis erbracht ist, dass dergetreuere und ursprünglichere bericht des Jahvisten sichunmittelbar an ein ähnliches erzeugniss babylonischer litte-ratur anlehnen muss. Denn in dies ergebniss müssen wirdoch wohl die beobachtungen zusammenfassen, die wir oben(s. 23 f.) über das verhältniss zwischen dem Jahvisten und