Buch 
Geschichte der Physik : Vorlesungen gehalten an der Universität zu Berlin / J. C. Poggendorff
Entstehung
Seite
296
JPEG-Download
 

296

Nachfolger Galilei ’».

was offenbar unrichtig ist, da die Thonkugeln wegen ihresgeringen specif. Gewichts einen nicht unbeträchtlichen Wider-stand erfahren, und folglich langsamer fallen mufsten, alsnach jenem Gesetz. Dies ist natürlich keine Widerlegungder galileischen Gesetze, die vom Widerstand der Luft ab-strahiren, einem Widerstand, der nicht blofs vom specif.Gewicht abhängig ist, sondern auch von der Gestalt, jaselbst, wenn die Körper nicht kugelförmig sind, von derLage beim Fallen.

Später im J. 1645 sah Riccioli seinen Irrthum ein,und stellte sogar eine Reihe für ihre Zeit ganz schätzbarerVersuche zur Ermittelung des Luftwiderstandes an. Erliefs Kugeln von Blei, Holz, Thon, Wachs, auch solide undhohle Thonkugeln aus einer Höhe von 280 Fufs herunterfallen und beobachtete dabei, dafs die specifisch schwererenallemal früher anlangten, als die specifisch leichteren. Erfand auch, dafs der Widerstand des Mediums,- worin dasFallen geschieht, mit der Dichtigkeit dieses Mediumswächst, dafs z. B. ein in Wasser fallender Körper nacheiniger Zeit eine gleichförmige Bewegung annimmt. Uebri-gens will der als Widersacher Gillilei’s und hartnäckigerAnhänger der peripatetischen Lehre so bekannte Chiara-uioilti, Prof, in Pisa , schon vor ihm durch Versuche ge-funden haben, dafs die Beschleunigung des Falles mit derZeit abnimmt, ohne jedoch dabei an den Luftwiderstandzu denken. 1 )

Pater Ariaga stellte dergleichen Versuche ganz civi-liter an, indem er einen Stein, eine Brodrinde und eineFeder zugleich vom Tisch fallen liefs. Er fand, dafs alledrei zugleich unten ankamen und wunderte sich nun, dafsdie Philosophen, statt diesen leichten Versuch zu machen,immer einer dem andern nachschrieben: die Geschwindig-keiten fallender Körper verhalten sich wie ihre Gewichte. 2 )

Riccioli stimmte also in Betreff der Fallgesetze ganzmit Galilei überein, aber darum war er noch nicht dem

Benzenberg, Versuche üb. d. Gesetze des Falles 1804, S. 87, 102.’) Ibid. 78.