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Geschichte der Physik : Vorlesungen gehalten an der Universität zu Berlin / J. C. Poggendorff
Entstehung
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339
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Nachfolger Galilei’s . 339

zu veröffentlichen, wurde vergessen, bis ihn die neuesteZeit ehrenvoll ins Gedächtnii's zurückrief.

Die Entdeckungen, auf die ich hier anspiele, sind diewichtigen der Diffraktion oder Inflexion, Lichtbeugung,und der Dispersion oder Farbenzerstreuung, die obwohlAndeutungen von ihnen schon früher Vorkommen, dochunbedenklich Grimaldi zugeschrieben werden müssen, unddie zwei Jahr nach seinem Tode in dem Werke: Physico-Alathesis de lumine, coloribus et iride , Bononiae 1665 ver-öffentlicht worden sind.

Was zunächst die Lichtbeugung betrifft, für welcheGrimaldi den noch heute üblichen Namen Diffraktion ge-braucht, so hat er sie durch folgenden einfachen Versuchdargethan. Er liefs Licht durch eine kleine Oeffnung indem Fensterladen eines dunklen Zimmers auf einen schmalenKörper fallen, und fing den durch letzteren gebildetenSchatten mit einer weiisen Tafel auf. Wenn das Lichtsich blofs gradlinig fortpflanzt, so würde man von demaufgestellten Körper einen Kernschatten, und daneben jeder-seits einen Halbschatten erhalten.

Grimaldi bemerkte nun, dafs der gesammte Schattenbedeutend grölser sei, als er bei gradliniger Fortpflanzungdes Lichts sein müfste, also der physische Schatten be-trächtlich breiter ist als der geometrische, den man be-rechnen kann; dafs aufserhalb des physischen Schattenshelle und dunkle Streifen sichtbar sind; dafs die hellenStreifen in der Mitte farblos sind, nach dem Schatten hinaber blaue und von ihm abwärts rothe Ränder haben, unddafs diese Streifen desto breiter werden, je weiter man sievom Körper entfernt auffangt. Bei lebhaftem SonnenlichtUnd nicht zu grofser oder zu kleiner Breite des Körperserblickt man auch innerhalb des Schattens solche Streifen,die wie alle übrigen dem Rand des Körpers parallel laufen,also grade sind, wenn es der Körper auch ist.

Einen andern hierher gehörigen merkwürdigen Ver-geh beschreibt Grimaldi in Propos. XXII seines Werkes.

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