Band 
Zweiter Theil.
Seite
311
JPEG-Download
 

311

den Katholischen unterzeichnet worden war. Der Hofbeabsichtigte, Katholische und Reformirte in die nämlicheKlasse zu stellen, nur zwischen dem Handels- und demSoldatenstande einen Unterschied zu machen und diebedeutendsten Begünstigungen dem letzter» vorzubehalten.Daß sich die Katholischen über die Gleichstellung der Ne-formirten in der Hofgunst beklagen würden, war ihmgleichgültig; denn der Hof ließ sich nur durch Gründe derPolitik bestimmen. Die Reformirten waren mächtig; manmußte sie von den Seemächten trennen, die alte Freund-schaft mit Frankreich bei ihnen geltend machen, und, imHintergründe, eine tolerante Gleichgültigkeit für ihre Re-ligion zeigen. Den Katholischen sollte man von der Vor-liebe sprechen, die der König für sie bewahre, indem erihre Sicherheit mittelst des bei den Reformirten zu ge-winnenden Einflusses zu befestigen bezwecke. Dieses Zielsollte der Botschafter durch sein Benehmen und seine Ge-schicklichkeit zu erreichen suchen. ?)

Um diese Zeit bestimmte die vielfache Getheiltheit derSchweiz , die indeß nichts neues war, den Hof, auch inseiner Politik ebenso vielfältige Triebfedern in Bewegungzu setzen, jeden Kanton als eine kleine Republik zu be-trachten, wo er sich eine Partei erhalten müsse. Gleich-zeitig war seine Absicht, diese Staaten gegen einandermißtrauisch zu machen und zu verhindern, daß nicht un-ter ihnen Verbindungen sich bildeten, die er nicht mehrbeherrschen könnte. Da die Tagsahung nicht mehr fähigwar, Entschlüsse in allgemeinem Interesse zu fassen, sogab der Hof seinem Botschafter die Anleitung, »auf jeden

7) INemoiro pour eoevir ü'illstruetioll iiu sieur elievalier äsNesuksvilla, 14. September 1763. Luisso, d>o. 366. k'ol.32-59. Wlr haben die meiste» Ausdrücke dieser Instruktion bei-behalte».