Band 
Erster Theil.
Seite
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Unwissenheit gelassen worden. Die Kapitularen lehrten esdie Religion auf eigene Weise. Sie sorgten dafür, daßkeine Pracht derjenigen der Kirche glich. Der auf einemHügel gelegene Tempel strahlte vom Glanz. Man zähltezwanzig Altäre und dreißig Kapellen in seinem Innernund seinen Umgebungen. Die am meisten verehrten Heiligenhatten darin ihre Stätten. Eine Predigt gab es nicht,nichts was die geistigen Kräfte des Volkes in Anspruchgenommen hätte. Die ganze Unterweisung bestand in ver-öffentlichen Vorstellung einiger Gleichnisse aus dem Evan-gelium , besonders der Mysterien der Leidensgeschichte.Das Schauspiel wurde in den Straßen vor dem ausallen Landestheilen zusammengeströmten Volke aufgeführt.Diese Festtage gaben nach dem Ausspruche einiger Zeu-gen mehr Veranlaßung zur Sünde als zur Andacht; auchwaren sie mit einem großen Ablaßverkaufe begleitet. Fastjedes Mal geschahen einige Wunder, besonders durch denguten Wilhelm, Neuenburgs Schutzpatron. Die Ueber-lieferung sagt, Wilhelm, von Geburt ein Engländer, habezu Paris , wo er dem Studium der Theologie oblag, dieHerzen zweier jungen Fürsten, Herren von Neuenburg,gefesselt, die ihn in ihr Vaterland mitnahmen. Sie mach-ten ihn zu ihrem Beichtvater, und er lebte an ihrer Tafel.Nach seinem Tode sprach ihn die Verehrung des Volkesselig, ohne eine Canonisation höhern Ortes abzuwarten;die Frömmigkeit baute ihm Kapellen. Die Brunnen, dieHäuser, unter andern der Spital, endlich die ganze Stadtwurden unter seine Fürbitte gestellt. Zn bösen Tagenwendete der Magistrat sich an ihn. Er hatte, sagte man,zu seinen Lebzeiten Wunder gethan; man zweifelte nicht,er werde auch jetzt noch thun. Groß war also sein Ruhm,als ein neuer Wilhelm den alten vergessen ließ.

Klein, von armseligem Aeussern, gemeinen Gesichts-