Band 
Erster Theil.
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Markttage des Zahres 1530 predigte Farel zum erstenMale in dieser Stadt gegen die Tyrannei der römischenKirche. Ein Krämer verkaufte Ablaßbriefe und zwar fürjede Art von Verbrechen. „Habet ihr auch Ablaßbriefefür einen Vater- oder Muttermörder?" fragte ihn derReformator. Die Antwort fiel so aus, daß Farel, vollZorn, das Brunnenbecken bestieg, und, wie von einerKanzel, das Gewissen der Menschen anrief, die sich voneiner verdorbenen Religion mißbrauchen ließen. Von die-sem Tage an neigten sich mehrere, auf welche die RedeFarels Eindruck gemacht hatte, der Reform zu; ihrenöffentlichen Beitritt erklärten sie jedoch erst im folgendenZahre. Es befand sich zu Orbe ein Minoritenbruder,Namens Zuliani, Beichtvater der Nonnen zu Sainte-Claire, der für einen Gelehrten galt. Dieser wurdebeauftragt, die Fastenpredigten zu halten. Die Refor-mirten waren die Ersten, die ihn anhörten. Es wareine schöne Gelegenheit gegen die neue Religion zu eifern.„Meinet ihr, rief Zuliani, daß diese Mönche, die sichgegen jede Züchtigung auflehnen, und ihre Gelübde ver-läugnen, um ihren fleischlichen Lüsten zu folgen, in recht-mäßiger Ehe leben? Gewiß nicht; sondern sie sind Hurer,Gottlose, abscheuliche Abtrünnige, vor Gott und denMenschen." — „Zhr lügt!" schrie Christoph Hollard, derglaubte, diese Rede sei gegen feinen Bruder gerichtet,der einst Chorherr in Freiburg gewesen und nach Annahmeder Reformation sich verheirathct hatte. Diese Unter-brechung verursachte einen schrecklichen Lärm im Tempel.Wie Furien stürzten die Weiber über Hollard her, rissenihm den Bart aus, zerkratzten sein Gesicht mit den Na-geln und schlugen ihn mit den Fäusten; sie hätten ihngetödtet, wenn nicht der Kastellan, Anton Agassis, dazugekommen wäre, der ihn mit vieler Mühe den Mißhand-