Band 
Erster Theil.
Seite
88
JPEG-Download
 

88

Geist. Ungeachtet die Berner Milizen im Zahr 1531 auseinander gelaufen, um nicht gegen ihre Bundesgenossenkämpfen zu müssen, drückte das Land seine Dankbarkeitfür die durchgeführte Revolution, und die Güter, welchedaraus hervorgingen, nichts desto weniger lebhaft aus. Eshatte keinen andern Groll als gegen die Prediger, welcheden Krieg veranlaßt hatten. Besonders war Meganderder Gegenstand der Beschuldigung. Bern sah sich genö-thigt, eine Synode zu versammeln und ihr die Klagenüber diesen Prediger vorzulegen. Die Gemäßigten fürch-teten, der Rath werde diesen Umstand benutzen, der KircheFesseln anzulegen. Besonders wurde Halter, der schüch-terne Halter, von Unruhe gequält, als zu seiner unaus-sprechlichen Freude Capito, der Friedensmann, der Bucer'sund sein eigener Freund war, wie ein Engel Gottes inBern erschien. Capito wurde eingeladen, der Synodevorzustehen. Er wies die kriegerische Partei der Geistli-chen zur Ruhe, predigte und entzückte mit seiner Bered-samkeit alle Herzen, dann entwarf er nebst einigen aus-gewählten Männern die Organisation und die Disciplin derBernerischen Kirche, und ihre Beziehungen zur weltlichenGewalt. Er bewies so viel Einsicht in diesen Dingen undsprach so ergreifend darüber, daß er selbst diejenigen Män-ner, welche sich noch vor Kurzem der Reformation abge-neigt erwiesen, hinriß. Fünf Tage reichten hin, der Kircheein Denkmal zu stiften, das ihr lange theuer bleiben sollte.Die Synodalbeschlüsse von 1532 waren fortan ein Schirm,der ihr heutzutage noch als Richtschnur dient. Man darfsich diese Beschlüsse nicht etwa als eine dürre Verordnungvorstellen; sie durchwehte im Gegentheil die heilige Be-geisterung ihrer frommen Urheber, Capito's weise Mäs-sigung und Halters salbungsvolle Milde. Nicht mit schar-fer Bestimmtheit, aber im Sinne christlicher Liebe setzten