Band 
Erster Theil.
Seite
109
JPEG-Download
 

109

Als diese Truppen nach Italien marschirten, hatte mangeglaubt, sie seien zur Unterwerfung Genfs , Berns undder Schweiz bestimmt; Karl V. hatte sie indeß nachden afrikanischen Küsten geführt, um in Tunis die Ver-heerungen und den Stolz der Barbaresken zu bestrafen:nun kam er aber als Sieger, von der Christenheit ge-priesen, größer und furchtbarer als je wieder zurück P.Zu gleicher Zeit war Deutschland durch den Ausstand derWiedertäufer tief erschüttert worden. Das Wort Reform,das Luther ausgesprochen, war von Mund zu Mund ge-gangen und hatte eben so viele Bedeutungen angenommen,als es verschiedene Auffassungskräfte und gesellschaftlicheLagen gab. Nachdem die Reform von den Fürsten zuihrem Vortheile ausgelegt, nachdem von den Weiseneine Philosophie daraus gemacht worden war, hattesich auch das überall unterdrückte Volk derselben be-mächtigt, und war, ihre Lehren nach seinen rohenLeidenschaften übersetzend, in offene Empörung ausge-brochen. Einige ungelehrte, wegen ihrer sanften Fröm-migkeit bekannte Männer hatten eine Lehre verbreitet, vonder man gewiß nicht erwartet hätte, daß sie die Welt ver-wirren würde. „Die Taufe/' hatten sie gesagt, „darfnicht dem Kinde gegeben werden, das sie nicht verstehenkann. Dieses Siegel der neuen Geburt kommt nur denWiedergebornen zu." Diese einfache Lehre stiftete in derchristlichen Gesellschaft eine neue Gesellschaft; sie griff denBund an, welchen die Staatskirchen mit der weltlichenMacht geschlossen; sie brach ihre Einheit. Die neueReform ließ ihre Auserwählten eine vollständige Gleichheitund Brüderschaft suchen, und führte sie mit verbundenenAugen durch die Republik zu der seltsamsten theokratischen

7) LxpeckUio luaelsn» bei Schard H.

lovius.