125
Ich vernehme indessen, daß sich die Genfer um andereHülfe als die euere beworben haben, und daß siebenhundertMann aus Frankreich an der Grenze stehen, somit dieBefehle des Fürsten zur Unzeit ankommen 2°)." Bevorwir sagen, ob die Anzeige des Gubernators der Waadt die Wahrheit enthielt, müssen wir erzählen, was amfranzösischen Hofe vorging, und worauf Franz I. seiteinigen Monaten sann.
Nach dem Tode Franz Sforza's, des letzten Herzogsvon Mailand , hatte der Kaiser dessen Staaten als einReichslehen in Besitz genommen. Auch der König vonFrankreich rüstete sich, seine alten Ansprüche geltend zumachen, jedoch auf andere Weise, als in seinen vorigenKriegen. Man erzählt, in einer vertraulichen Unter-haltung habe ihm einst Papst Clemens VII. die Ursacheseiner Niederlagen darin gezeigt., daß seine Armee, nachsiegreichem Einzüge in Italien , sich bald, vereinzelt undsogar durch den ersten Erfolg geschwächt, zwischen festenund von den Kaiserlichen wohl bewachten Plätzen befundenhabe, wo sie schneller, als Hülfe möglich war, von allenSeiten angefallen werden konnte; der Papst habe ihmdarum gerathen, in der Lombardei sich der Staaten desHauses Savoien zu bemächtigen, zur Verbindung mitseinen Eroberungen. Dieser Plan beschäftigte nun Franz I.Zwar hatte ihm Karl III. keinen Grund zum Angriffgegeben. Vom Könige, seinem Neffen, in den Ver-trägen von Madrid und Cambrai verlassen, hatte er sichan den Kaiser, seinen Schwager, angeschlossen, ohne sichirgend eine Feindseligkeit gegen Frankreich zu erlauben.Aber sobald der König den Krieg wollte, fand er, ihnzu erklären, hundert Vorwände. Er klagte den unglück-
20) Briefe von Nägeli. — Werner Archive. Zeitungs - Missiven.