Band 
Erster Theil.
Seite
159
JPEG-Download
 

159

heruntersteigen. Nahe an einem dieser Pfeiler befindetsich ein Luftloch, durch welches ein trauriger Schimmerzögernd herein fallt. Das spärliche Licht erhellte eineKette und einen Gefangenen: es war Bonivard. Anseinem steinernen Kissen wachte die Poesie. Seinem Herzenwar der Engel nahe, der ihn die Armuth unter einemVolke von Brudern den Freuden vorziehen gelehrt, dieer hätte genießen können an der Tafel der Großen. Wiedie Gestalten der Männer, denen die Freiheit theurerals das Leben gewesen, vor ihm auf- und niedergehen!aber er hatte auch lange Stunden, in welchen alle Kraft,die feiner Seele geblieben, auf ihn selbst fiel, ihn zu ver-zehren. Sechs Zahre lebte sr hier: zwei Worte dünkteS uns: es war eine Ewigkeit. Da widerhallte plötzlichein ferner Knall: das Heer der Berner verkündete feinenAnmarsch. Als es Lutry erreicht hatte, ließ es den Donnerseines Geschützes über den Leman Hinrollen. WenigeStunden nachher war Chillon belagert.

Die Vorbereitungen nahmen einen Tag weg; in derNacht arbeitete man an den Laufgräben; am folgendenMorgen ") schössen die Stücke so richtig, daß sich derBefehlshaber zum Abzüge bereit zeigte. Man unterhan-delte, als der Hauptmann der großen Galeere von Chillon ,um nicht zugleich mit dem Platze sich ergeben zu müssen,mit seinem Schiffe so eilig die Flucht ergriff, daß ihn dieGenfer nicht mehr einzuholen vermochten. Man sah, wiesie, ihre Barken lichtend, ihn verfolgten; doch, schnellerals sie, fuhr er über den See, zündete sein Schiff anallen Theilen an, und entkam ins Eebirg. Die kleineFlotte kehrte von ihrer unnützen Verfolgung um; denMatrosen war das Herz gepreßt. Sie zweifelten nicht,

18) Den 29. März.