173
Unter diesen Umständen wurde die Disputation vonLausanne eröffnet. Das Waffengeräusch hatte sich ent-fernt; der Herbst war prachtvoll', es war als wenn Naturund Menschen auf die religiöse Feier sich sammelten.Schon wogte das Volk nach dem Tempel, dem Werkeeiner Zeit, wo man das Geld, womit wir uns fetzt unsereeigenen Wohnungen angenehm machen, zur Verherrlichungdes Gotteshauses hingab. Zn ihrer ernsten Größe erhobsich die Kathedrale, wie die Königin deS Landes, auf ihremprächtigen Fußgestelle. Kein fremdartiges Gebäude störteden Anblick ihrer Majestät. Das Kloster verbarg sich hin-ter dem Chor. Auf einer breiten und steilen Treppe gelangteman, zwischen dem Rasen und den Kreuzen deS Kirchhofes,zur Pforte der zwölf Apostel'''). Bald füllte sich dieserZugang mit Abgeordneten, Priestern, Predigern, Zu-hörern. Von Seite der Reformirten sah man Farel,Viret, Calvin, Caroli heranschreiten. Sie erzählten,daß sie, ohne ihr starkes Geleite, unter den Streichenvon Mördern gefallen wären, deren Begnadigung sie kurzzuvor erbeten. Einzelne Gruppen sahen an das Gebäudehinauf und betrachteten traurig das Gold, die Gemälde,das reiche Bildwerk und allen Schmuck, den es nochtrug. Die Chorherren hatten die Bilder der hl. Jungfrauund der Heiligen entfernt. Kaum durften die guten Väter,die noch jüngst so stolz durch diese Hallen schritten,ihre traurigen Gesichter blicken lassen. Zn der Mitteder Kirche war der zur Disputation bestimmte Raum.