Band 
Erster Theil.
Seite
209
JPEG-Download
 

209

Geßner lebte, seinem Ruhme nachtheilig. Seine Liebezur Wissenschaft mußte alles ersetzen. Lange betrug seinGehalt als Professor an der Schule zu Zürich nur dreißigGulden. Keiner seiner Kollegen wurde so armselig be-dacht; aber er war auch der bescheidenste von allen.An seinem ganzen Wesen drückte sich ein uneigennütziges,frommes, offenes Herz aus. Der weiteste Geist desJahrhunderts hatte die kindlichste Seele. Sein von nächt-licher Arbeit und Leiden bleiches Gesicht erinnerte daran,ihm die Erleichterung zu verschaffen, um welche seinMund niemals ansprach. Er erhielt sie erst, zu spätfür die Wissenschaft, als die Besuche der vielen Frem-den, die seinetwegen aus den fernsten Gegenden gekommen,und die Huldigungen von ganz Europa seine VaterstadtZürich darauf aufmerksam machten, daß Geßner von ihrgeachtet zu werden verdiene ^). Wir haben Mitleid mitdem Thiere, das eine Last ziehen soll, die über seineKräfte geht; aber wenn wir die Tugend und das Geniean der Kette sehen, steigt unsere Klage zum Himmel,dessen Geschenk die undankbaren Menschen verkannt haben.

Das Wiederaufleben erstreckte sich auf alle Zweigedes Wissens, und überall erhielten zugleich die Alten über-wiegendes Ansehen. Bei der Rohheit der neuern Spra-

50) Geßner hat in seiner Gpistel an Turner seine Werke uns ver-zeichnet. Sie waren auf eine längeres Leben berechnet, als dasseine, das nicht einmal 50 Jahre erreichte. Mehrere sind un-vollendet geblieben. Seine klislori» slirpium kam erst 1754heraus, nachdem sie durch viele Hände gegangen. — Cuvier ,in der Liograpliis universelle, 17. — Nswoirss cke bii-eeron.— ve Tdou. — Biographien Geßners, von Simmler,Schmiede! und Hanhart . — Sein Briefwechsel mit Bausin,Aretius , Fabrieius. — Briefe, manuscr., in der Bibliothek zuBern VI, 59. — Vaterländische Sammlung, manuscr., 21Bände fol. in der Kantonalbibliothek zu Lausanne ,vm. Bd. 14