223
hielt es gar nicht für möglich, daß der Freund vonSoliman von ihnen Hülfe erhielte. Ohne Unterschied desCultus erhob sich Deutschland . Es hatte sich eine Kriegs-fteuer aufgelegt, und die Kammer zu Speier ermähnteunter Androhung der Acht die Städte Basel , Schaffhaufen,Mühlhausen, die Aebte von St. Gallen, von Disentis und von Chur , ihren Beitrag als Reichsglieder zu ent-richten. Mit Entrüstung antworteten die Eidgenossenauf diese Zumuthung: Wir hoffen, daß man uns friedlicheine theuer erworbene Freiheit genießen lassen wird, diewir mit aller Kraft zu vertheidigen gesonnen sind. Wirwerden nicht gegen die Türken ziehen; es ist nicht anuns kleinen Gemeinden, uns in ferne Unternehmen zustürzen, und das Schicksal unsrer Eidgenossenschaft aufsSpiel zu setzen^). — Noch niemals, scherzten einigeKriegsleute, haben wir Türken in der französischen Armeegefunden^). Und unterdessen erhob sich mit trunkener Be-gierde die kriegslustige Zugend der Alpen auf die Einladungder Boten des Königs. Vergebens suchte die ernste Stimmeeines Einsiedlers zwischen dem Geschrei der Werber unddem Lärme des Auszugs sich vernehmlich zu machen. Inallen Jahrhunderten haben die malerisch einsamen ThälerUnterwaldens einzelne Männer in ihre Schatten gelockt,
89) Sie hatten dieselbe Antwort Paul III. gegeben, der sie zu Werk-zeugen seiner Politik zu machen suchte: „ Wir mögen uns nichtmit den Streitigkeiten der Fürsten abgeben; wir werden unserLand vertheidigen!" Doch gaben ihm 1537 die sieben Orte undWallis dreitausend Mann gegen die Türken.
90) Sleidan XV. Sie riethen dem Kaiser, dem französischen Ge-sandten Gehör zu schenken. — Arr, Geschichte von St. Gallen,S. 288. Schreiben der Eidgenossen an den Kaiser Ferdinand . 1543.— 1547 hob Karl V. alle Dekrete gegen die schweizerischen An-gehörigen auf. — Stettler.