Band 
Erster Theil.
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Wenn der Bauer sein Loos mit demjenigen glücklichererVölker verglich, warf er die Schaufel weg. Ihm schie-nen Abentheuer und Beute, und der Ruhm, den ihmdie Werber versprachen, ein froheres Leben zu sein, alseinen geknechteten Boden zu bauen. Von der Entmuthi-gung kommen die schlimmsten Räthe: leicht konnten, wosie den Grund gelegt hatte, Geld, Wein und List nochwirken, und jedes Zahr folgten Schaaren von Thurgauernden Offizieren der regierenden Stände in den Krieg " 2 ).Dreitausend befanden sich in dem Hülfskorps, das 1536bei Avignon zu Franz I. stieß. Nach dem Feldzuge brach-ten sie ihre Laster und ihre Dürftigkeit in ihr Land zu-rück, das sich bald mit Vagabunden füllte. Müssiggang ,Spielsucht, Wucher wurden einheimisch"^), und baldging eö über die Kräfte des angestellten Henkers, dieSelbstmörder alle in die Thür zu führen. Die Hungers-noth nahm kein Ende mehr, zumal da der schlechte Zustandder Wege den Verkehr von Dorf zu Dorf oft unmög-lich machte. Eine kurze Besserung trat nur von 1539bis 1541 ein. Aber da während dieser, durch äußernFrieden und zugleich durch Fruchtbarkeit gesegneten ZahreLas Land feine unruhigen Köpfe zu Hause behielt, er-neuerte sich der innere Zwist. Noch wurde das Rechtohne Gesetze gesprochen, so daß die Landvögte und die Ge-richtsherren täglich den Schuldigen ihre Strafe gegen

142) Kalbsfell nannte man diese leichte Waare, die Jrländer der Schweiz .

143) Die Kilbenen, deren jedes Dorf eine eigene hatte» unterhieltendie Unordnung. Es verging kein Sonntag, ohne daß Weinund Tanz dem Werber leichtes Spiel machten. Die Bemühungender Geistlichkeit gegen diese Sitte blieben fruchtlos, bis imJahr 1780 die Kilbenen in ein jährliches Fest (am drittenSonntage des Juni) für das ganze Land verwandelt wurden.—Gemälde der Schweiz, Thurgau , von Puppikofer.