249
kommt es in unserer Angst oder Ungeduld uns vor, siewerden die Ruhe nicht mehr finden, bis der eine vondem andern verschlungen worden; indessen bildet sichgegen den Ueberlegenen mannigfacher Widerstand; derSieg wird müde; der eigene Uebermuth schwächt; Gott setzet ein Ziel, und meist wird der Streit durch eine Ueber-einkunft beendigt. So geschah es, daß die beiden Par-teien, nachdem sie ihre Kräfte gemessen und wechselweiseobgesiegt hatten, den Ungestüm verloren und sich ver-schanzten, ohne im Kriege zu sein, ohne den Frieden zuhaben. Im Auslande hatte sich die Reform, obgleich siedas große Ereigniß des Jahrhunderts war, noch nichtanders sehen lassen, als hinter der Eifersucht des Kaisersund des Königs von Frankreich ; es waren keine Religions-kriege. Die Söldner brachten zwar die Laster fremderLänder, aber nicht den Fanatismus mit seiner Wuthzurück. In der Heimath hütete sich der neue Glaube seitKappel, obgleich sein Leben noch frisch war"°), voreigenem Angriffe; ja, der Eifer ging nicht einmal mehrbis zu Bekehrungsversuchen. Eben so standen die Katho-liken, wie fest sie verbunden waren, unter keiner gemein-samen, kühnen Leitung; sie hatten noch nicht jene Re-actionskraft bekommen, die ihnen später Italien mit-theilte. In ihrer bequemen Gleichgültigkeit haßten sie ander Reform weniger die Ketzerei, als daß sie den altenBrudersinn zerstört, und mit einer ganzen Vergangenheitheroischer und fruchtbarer Erinnerungen gebrochen- hatte.Allmülig vertrug man sich mit einander. Durch zweiDinge wurde diese Duldsamkeit genährt.
150) Der Briefwechsel zwischen ihren Häuptern blieb immer gleich leb-haft und herzlich, und umfaßte noch immer die politische» undreligiösen Interessen.