Band 
Erster Theil.
Seite
275
JPEG-Download
 

275

sammlung nahm die ein und zwanzig Artikel einer Ord-nung an, welche das Gesetz über die Kirchenzucht undüber den Kirchenbann enthielt^). Papisten, Anabaptistenund Libertiner wurden darin verdammt. Doch eben dasvermehrte den Anhang derer, welche die neuen Päpsteverwünschten und nichts von ihrem Banne wissen wollten.Die Libertiner "2) hatten frische Blumen zum Zeichen ge-nommen, und nannten in ihrer Ausgelassenheit sich dieBruder in Christo. Es kam zu blutigen Auftritten. Aufdie Bitten der Pfarrer verwies der Rath die Widersetzlichenaus der Stadt. Aber da ihrer zu viele waren, als daß derBeschluß hätte vollstreckt werden können, so wurden sie nurum so kühner. Sie zogen sogar von denen, die auf dasGlaubensbekenntniß geschworen, wieder manche an sich,welche sich nun beklagten, daß man sie habe beschwö-ren lassen, was sie nicht verstanden. Bis zum nächstenWahltage verstärkte sich die Partei dermaßen, daß vierihrer Anhänger, wovon drei nicht einmal im Rathe waren,zu Syndics gewählt wurden.

Die Stellung der Pfarrer wurde um so gefährlicher,als sich auch Bern , obgleich es keine Hoheitsrechte mehrüber Genf ansprach, auf jede auskommende Macht indieser Stadt eifersüchtig zeigte. Es war unruhig überden demokratischen Geist der kleinen Republik, schöpfteArgwohn wegen der geheimen Intriguen eines Aussend-lings des Königs von Frankreichs »), sah nicht gernedie Pfarrer ihre Obern beherrschen, statt ihnen zu dienen.Es hätte sie gerne für die Formen seiner eigenen Kirchegewonnen und war ungehalten, als sie einen andern Weg

198) Roset. — Farels Leben. — Calvins Briefe.

18g ) Es befanden sich mehrere der angesehensten Männer der Stadtdarunter.

200) Der Herr von Montchenn.