Band 
Erster Theil.
Seite
292
JPEG-Download
 

292

unter den Fremden, die in täglich größerer Zahl in Genf zusammen trafen. Es waren meistens Männer, die derVerfolgung in ihrer Heimath entflohen waren. ZhreBriefe, ihre Reisen trugen Calvins Namen in die weiteWelt. Man wollte mit eigenen Augen diese Kirchen-zucht ansehen. Viret versuchte sie in Lausanne einzu-führen, mit dem Nachdrucke seines Feuereifers übte sieFarel in Neuenburg. Es fiel kein Aergerniß vor, daser nicht auf die Kanzel zog, um es zu strafen. Aberwenn er dafür den Beifall wackerer Bürger erhielt, soerbitterte er den Gouverneur, die Vornehmen und dasniedere Volk. Es kam mehr als einmal fast zu blutigenAuftritten, bis eine stürmische Versammlung die Ent-lassung des Pfarrers begehrte. Eine Minorität brachtees indessen zu einem Aufschub von zwei Monaten, diedarauf verwendet wurden, die Schwesterkirchen Neuen-burgs zu einer Fürsprache zu vermögen. Bern wolltenichts davon wissen; die Regierung fand, daß ein Pfarrer,der die Gemüther entfremdet, seine Stelle anderswosuchen sollte. Hingegen erklärten die Kirchen von Basel ,von Straßburg, Zürich und Konstanz auf eindringlicheWeise: sie begriffen nicht, daß eine Stadt sich christlichnennen, und einen Mann wie Farel verweisen könne.Er selbst blieb ruhig, hochsinnig. Als die Pest ausbrach,sah man ihn unermüdlich um die Kranken bemüht. DieScham lichtete nun den Haufen seiner Feinde. Nein,sagten sie, ein Pfarrer ist nicht, wie man uns wollteglauben machen, ein bloßer Bediente^), den man nachBelieben fortschicken könne; es ist ein Vater, uns vomHimmel gegeben: wird ein Vater dafür gestraft, wenner seinen Sohn hart gezüchtiget hat? Als die beiden

L47) Der Schultheiß Von Bern hatte sich dieses Ausdrucks bedient.