Band 
Erster Theil.
Seite
326
JPEG-Download
 

326

wenige Familien, deren Friede nicht durch die Wühlerei desKaisers und des Königs gestört ward: je enger das Thal,desto glühender der Haß. Obgleich das österreichische Hausdurch seine Nahe und durch seine Rechte im Zehengerichten- lbund sich im Vortheile befand, siegte doch meist der König.

Die Franzosen waren freigebiger; durch ihre Manieren,die niemals verletzten, schmeichelten sie sich leichter bei freienMännern ein, als die stolzen Spanier und die steifenDeutschen. Wie im Wallis , benutzten sie die religiösenSpaltungen, und zählten ihre Anhänger vorzüglich unterden Reformirten, deren Zahl die größere war. Sie ^hatten das mächtige Haus der Salis für sich gewonnen.Dem Reisenden im Thale Bergest zeigt man in der Höheob einem Kastanienwalde das Schloß Soglio ^), die alteBurg dieser Familie. Von hier aus hatte ihr Stammsich in kräftigen Sprößlingen fast in alle Thäler desZehengerichten- und Gotteshausbundes verbreitet: Klug- Iheit und Muth weise verbindend, hatten sie in fremdenKriegen sich Reichthum und Ruhm, in ihrem Vaterlandeeinen zahlreichen Anhang erworben, und verwendeten nunalles für den Dienst des Königs. Die minder zahl-reichen kaiserlich Gesinnten wurden um so leidenschaft-licher. Ihr Zorn führte die Sprache der Vaterlandsliebe.

Sie zeigten dem Volke die Gegenstände ihres Hasses,und sagten ihm: „Das sind keine freien Männer mehr,sondern Sklaven des Auslandes, sie sind keines Amtes ^mehr würdig in einem Vaterland, das sie verderben."Schon im Zahre 1541 hatte das aufgewiegelte Volkein Strafgericht gesetzt, das fünf und zwanzig der ent-schiedensten Anhänger Frankreichs auf fünf Zahre vonder Wählbarkeit zu Aemtern und von jeder Theilnahme

78) Oder vielmehr Castellazzo. S. Müller.