341
Wagschale der Nationen. Sie standen in hoher Achtungbei den Königen, die sich alle um ihre Gunst bewarben.Zm eigenen Lande waren sie wieder einig. Der Ernstder Umstände hatte für einen Augenblick ihre Zwiste ge-dämpft, und gleichsam ihre Bewegungen eingestellt. Nurdas wachsame Bern , das keine Gelegenheit zur Befestigungseiner Macht versäumte, achtete darauf auch mitten unterdiesen Ereignissen. Als sich der König von Frankreich während des Krieges mit dem Kaiser äußerst rücksichtsvollbenahm, benutzte dies Bern zu seiner Vergrößerung in derwelschen Schweiz , und wußte dabei auf denkwürdige WeiseFestigkeit, Ausdauer und Umsicht mit einander zu verbinden.
Von den fünfzig Grafen, welche im Mittelalter aufdem Boden Helvetiens walteten, hatten fast alle ihr Ge-biet im Kriege verloren. Habsburg hatte den Kaiserthronbestiegen; nur die Neuenburg und die Greyerz trugennoch den Fürstentitel. Aber Bern umschloß ihre kleinenReiche; und als ihre Unterthanen sich mit dieser Stadtdurch Burgrechte verbündeten, hatten sie selbst um eineFreundschaft werben müssen, die der Unterwerfung glich.Indessen standen die dicken Mauern ihrer Schlösser nochstolz am Abhänge der Alpen und an den düstern Wälderndes Jura. Man wies auf ihre Schirmdächer, als aufZeugen einer vergangenen Zeit; erkannte jedoch, unge-achtet dieser Zusammenstellung, in allem übrigen denUnterschied der beiden Häuser.
Der Fürst von Neuenburg war ein Fremder. Ergehörte zum französischen Hofe. Seine Unterthanen hat-ten sich zur Reform bekannt; mit Bern zogen sie in die
Sillery sagte zu den Schweizern, am 22. Februar 1588: „Ihrwisset, Franz hätte von Karl V. Alles erhalten, wenn er demBunde mit den Kantonen hätte entsagen wollen."