Band 
Erster Theil.
Seite
396
JPEG-Download
 

396

Von nun an war der Name Servets unzertrennlichan den Calvins geheftet. Anfangs gereichte er diesemzu hohem Ruhme; denn im sechszehnten Jahrhundertglaubte man, der Mensch habe Gott zu rächen'^). Inder Ueberzeugung, die Wahrheit zu besitzen, betrachtetenes alle Parteien für eine Pflicht, was sie Ketzerei nannten,zu vertilgen; und deren Duldung hätte bei ihnen fürdas größte Verbrechen gegolten. Auch erhielt CalvinBeifallsbezeugungen von allen Seiten. Die römischeKirche mißgönnte ihm die Ehre, die Erde von einemUngeheuer gereinigt zu haben "°). Bucer, Melanchton ,Bullinger priesen ihn für den Dienst, den er derReligion geleistet. Farel meinte, die Richter hättengroßes Unrecht an Christo begangen, wenn sie Nachsichtgezeigt; ja er erklärte, um seine Aufrichtigkeit darzu-thun, daß er selbst, hätte er Servets Meinungen getheilt,

Saphyr, eine» Diamant-Tafelstein, einen Rubin, einen Sma-ragd, einen Siegelring; eine sechszehn Zoll lange, goldene Kette,zwei Obligationen und 97 Thaler. — Rechnet man den Thalerzu 10 Gulden, und den Gulden gleich 35 Gulden heutigerWährung, so besaß er ein Vermögen von 12,625 Franken.Diese Summe sollte ein Jahr lang in Verwahrung genommenwerden, und, forderte sie niemand, dem Staate anheimfallen."Prot. 30. Oct. — Die Procedur wurde vernichtet. Gregoirein seiner Geschichte der Seelen versichert, im Jahre 1814 eineAbschrift derselben gesehen zu haben.

135) „Wer positive Lehren umstürzt, ohne Besseres dafür zu geben, iststrafbarer, als wer sich an irdischem Gut seines Nächsten ver-greist. Fern sei es von uns jedoch, den Magistrat wider dieMuhammedaner, oder die Juden, obgleich sie sich verirren, oderwider irgend jemanden zu waffnen, der die heil. Schrift andersauslegt, als wir; sondern allein gegen die Aergerniß erregendenGotteslästerer." Vers, Irsetalus tkeol. I, p. 95.

136) Das Parlament von Vienne verlangte von den Genfern die Aus-lieferung Servets. Lslvini Op. IX, 92. Prot. vom 29. August.