Band 
Erster Theil.
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hatte den Muth, Calvin in diesem erleuchteten Sinne zuschreiben: „Zch zweifle, ob Ruthe und Beil das rechteMittel seien, den Verirrungen des Geistes zu begegnen.Alle Beispiele des Alterthums lehren uns, daß Blut solcheFlecken nicht auslöscht, sondern vergrößert. Zch habeMänner gesehen, die zum Tode von Unglücklichen ge-stimmt hatten, und die gerne um jeden Preis deren Lebenwieder erkauft hätten; sie hätten lieber gegen hundertGegner den Kampf bestanden, als es auf dem Gewissenzu tragen, daß sie einen einzigen Menschen zum Todeverurtheilt." Aber bis diese edle Sprache verstandenwurde, wie viele Scheiterhaufen sollten noch lodern, wieviele Trümmer sich noch thürmen! Als endlich aus diesenTrümmern ein Licht hervor kam, ließ die erste schwacheHelle einen Blutflecken an der Stirne Calvins bemerken.Von dieser Zeit an gab es keinen elenden Schreibermehr, der nicht, wie fremd ihm auch des Reformatorsgroße Seele war, auf dessen ernstem Antlitz den NamenServet zeigte; keinen schlechten Sudler mehr, der nichtmeinte, die Hand mit Asche von dem Opfer füllen, unddiese Züge, die einst so gefürchtet waren, damit bewerfenzu dürfen. Die neue Zeit hatte nur neue Unduldsamkeitgebracht. Wann werden doch hienieden Verträglichkeitund Glauben sich in der Liebe aussöhnen "")?

Nach Servets Hinrichtung begann von neuem der

140) Voltaire hat von Calvin gesagt, er habe ein rohes Gemüth undeinen erleuchteten Geist besessen. Unbedenklicher würden wirsagen: Er hatte eine große Seele und einen Geist, derdie Irrthümer seiner Zeit theilte. Nicht sich, sondern einemübelverstandenen Gotte opferte er Servet. Die Irrthümer derAlte» entsprangen aus Mangel an Erfahrung; Unwissenheit undLeidenschaft ließen ihnen die Menschen als ganz böse, oder alsganz gut erscheinen. Sie glaubten, wie wir oft läugnen:zu leicht.