als wieder die Reihe an Zürich gekommen, ihnen einenVogt zu schicken. Allein statt eines klugen und entschlos-senen Mannes erhielten sie einen biedern Greis, NamensRäuchlin, der ihnen bald bewies, wie wenig sie aufihn zählen konnten. Ob Locarno , auf einem Vor-sprunge der Alpen , steht die Kapelle der weit herumverehrten Madonna vorn Stein Jedermann wargewohnt, nach der Weinlese der Schutzheiligen desLandes etwas vorn Ertrage seiner Reben zu bringen. EinMönch lebte davon behaglich. Wie nun der SchusterNicolao Greco, ein Reformirter, diese Geschenke ab-nehmen sollte, sagte er bei diesem ihm schmerzlichen Ge-schäfte zu einer Frau, die von ihrem Weine brachte:„Wem willst du zu trinken geben, der Jungfrau, oderdem Priester?" Ob ihm andere noch verächtlichere Aeuße-rungen entfielen, das weiß man nicht; allein er wurdeangeschuldigt, er habe die Jungfrau eine Säuferin, einschamloses Weib genannt, unfähig, ein Gebet zu erhören.Auf der Folter läugnete er, etwas anderes gesagt zuhaben, als daß die Madonna vom Steine ein von denWürmern zerfressenes Holz sei, wobei er nur das Bildgemeint, nicht die Jungfrau, die in der Herrlichkeit desHimmels sitze „Bei uns in Zürich, " meinte dergute Räuchlin, „wäre es keine große Sünde, was dieserMensch geredet hat Dennoch wagte er es nicht,
105) Im Ill-Wonns <lel 8sxo.
106) Räuchlin, an die Boten der zwölf Orte, 15. Rov. — Aloysiusv. Orelli, von Salomon Orell von Baldingen, nach Bullingers
Erzählung. (Man lese über dieses Werk Ferd. Meyer's Ein-leitung.) — Dunus.
107) Räuchlin, an die Zürcher Gesandten in Baden, 15. Nov. SeinAnsuchen, es möchten die drei andern Landvögte mit ihm zueinem Gerichte zusammentreten, ward verworfen.