Band 
Fünfter Theil.
Seite
194
JPEG-Download
 

194.

tyrern und Verfolgung der christlichen Religion die Redewar. Der königliche Christenverfolger, sein Bruder unddie übrigen vornehmsten Rollen sollten in modernen, theilsfranzösischen, theils bayerischen Uniformen aufgetreten sein,weswegen der Gesandte genugthuende und exemplarischeBestrafung der Schuldigen verlangte. Das aufgeführteDrama war ein altes, bereits 1785 in Augsburg gedruck-tes Stück, „Trebellius, König der Bulgaren ". Zn demStücke selbst mochten mit dem größten Scharfsinne keinesich auf die Gegenwart beziehenden politischen Anzüglichkeitengefunden werden. Allerdings hatten die Schauspieler, ausUnvermögen, für die Kleidertracht den angemessenen Aufwandzu machen, eine alte englische, zweierlei eidgenössische undeine rothe schweizerische aus dem bourbonischen Diensteerborgt, aber weder eine französische, noch eine bayerischeNationaluniform war auf der Szene erschienen; offenbarwar Trebellius unschuldig. Der Landammann bemerkte nundem Gesandten, wie wenig würdig eine auf solche Angabengegründete diplomatische Erörterung sei^-

Wenn man die Verhältnisse der meisten Staaten desFestlandes mit Napoleon , die Unterwürfigkeit der einen, dieUnterwerfung der andern ins Auge faßt; wenn man fernerwahrnimmt, wie in Frankreich selbst bei vielen hervorragen-den Männern der Charakterstolz gebrochen ist, wie die An-hänger der Republik goldene Ketten annehmen, Talent undKenntnisse zum Schmuck des Sklavendienstes, die Pressezum Mittel des niedrigsten Eigennutzes herabgewürdigt wer-den; wenn man sich endlich jenen kriechend unterthänigen,dem eines Tiberius vergleichbaren Senat und den mittenim Luxus und kriegerischen Ruhm immer mehr überhand-

7S) Von Wattenwyl an den Ritter von Olry, 12. Mai 1810; vonTillier, l, 367, 368.