Band 
Fünfter Theil.
Seite
210
JPEG-Download
 

210

strengungen, um sich zum Wiederbeginn des Kampfes zurüsten. Eine dumpfe Gährung herrschte in mehreren deut-schen Staaten. Oestreich schlug einen Congreß in Prag zuFriedensunterhandlungen vor, die auch bald begannen.Allein es war leicht wahrzunehmen, daß es Napoleon nurdarum zu thun sei, Zeit für seine Rüstungen zu gewinnen,und daß die so lange seinem Willen dienstbaren Mächte sichnur mit einem Frieden begnügen würden, der ihnen ihreehemalige Stellung mit all ihrem Ansehen zurückerstattete.Am 10. August verließen die preußischen und russischen Be-vollmächtigten, ihre Vollmachten als erloschen ansehend,Prag . Zwei Tage später erklärte Oestreich seinen Beitrittzu dem Bündnisse der beiden großen Staaten des Nordens.Während der Friedensverhandlungen war ein Krieg zurBefreiung der Nationen verabredet worden.

Nach seinem ungeheuren Mißgeschick in Rußland nachFrankreich zurückgekehrt, hatte Napoleon wie durch einenZauberschlag ein neues Heer erschaffen. Der Kampf, dernun beginnen sollte, war ein Riesenkampf, der hier für dieHerrschaft über ganz Europa , dort für die nationale Exi-stenz gekämpft wurde. Der so lange unüberwindliche Krie-ger und unwiderstehliche Eroberer schlug sich von Neuemwie ein Löwe, jedoch bald wie ein verwundeter Löwe. Nocheinmal lächelte ihm das Kriegsglück, als er Blücher, deram linken Elbufer vorrückte, zurückdrängte, besonders aberin dem glänzenden Siege bei Dresden , wo man sich zweiTage lang (26. und 27. August) maß. Allein Schlag aufSchlag mahnten die Niederlagen an der Katzbach, bei Gold-berg, Großbeeren, Kulm, Dennewitz , der Abfall Berna-dottes, in Folge dessen das schwedische Heer zu dem preußi-schen stieß, und der Uebergang der sächsischen Regimenterin das Lager der Alliirten, Napoleon , woran ihn seineMarschälle schon längst, allein vergeblich, gemahnt hatten,