Band 
Fünfter Theil.
Seite
358
JPEG-Download
 

358

Eidgenossenschaft. Seit dem Anfange der französischen Revolution waren durch Kriege, Verträge, Verwand-lungen von Monarchien in Republiken, dann wieder vonRepubliken in Monarchien Souveränetätsrechte entrissenund andere geschaffen, Gebiete zerstückelt und wieder zu-sammengesetzt worden. Der Wille Napoleons machte daseiserne Band deS neuen Contiuental-Europas aus. Alsnun dieses Band plötzlich gelöst ward, erhoben sich aus denTrümmern seines Systemes die manigsachsten Ansprücheund Forderungen. Sie zu befriedigen, oder wenigstensauszugleichen, war die dem Wiener Congreß gestellteAufgabe. Sie übertraf weit an Wichtigkeit diejenige, welchedurch den westphälischen Friedensschluß gelöst worden war ').Gerade so wie die schweizerischen Kantone waren auch dieeuropäischen Staaten, nachdem sie in getreuem Vereine dengemeinschaftlichen Feind unschädlich gemacht hatten, durchInteressen getheilt, so daß es mehr als einmal den Anscheinerhielt, als würde das große Friedenswerk in einen allge-meinen Kampf übergehen. Nie hatte man eine durch Rang,Talent, Stand und Zahl der Persönlichkeiten großartigerepolitische Versammlung gesehen. In der alten sonst mitpatriarchalischer Einfachheit bewohnten, jetzt in aller Prachtköniglicher Gastfreundschaft glänzenden und durch das Ab-und Zufahren von zweihundert auf Befehl des gekröntenHausherren zu diesem Anlasse angeschafften Equipagen be-lebten Burg hatten der Kaiser und die Kaiserin von Ruß-land, die Könige von Preußen, Dänemark und Würtem-berg, der König und die Königin von Baiern ihre Hoflageraufgeschlagen. Dabei waren in Wien anwesend Söhneund Töchter, Drüder und Schwestern dieser Monarchen;zwei Großherzoge, fünfzehn souveräne und dreißig apana-

1) Hans von Reinhard , 286 , 287.