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Handel und Industrie des Kantons Glarus : geschichtlich dargestellt / Adolf Jenny-Trümpy
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gemustert gewobenen Produkte aus Kaschmir 1 ) einen bedeuten-den Yerschleiss in Europa, worauf solche durch die französischeWollweberei in Merinosschaf-Wolle nachgeahmt wurden. Ent-sprechend ihrem Ursprungslande zeigten die Cachemires-Chälesfast ohne Ausnahme ein altindisches Ornament, die Palmette d. h.das halbaufgerollte, stengellose (und daher als solches nichtmehr sofort erkennbare) Palmblatt in allen möglichen Varianten,gross, mit reicher innerer Gliederung und wieder ganz klein und ein-fach, jedoch stets seinen streng markierten Charakter bewahrend.Köchlin war nun der erste, welcher dieses eigenartige Motiv indie Baumwolldruckerei einführte, wozu er 2 ) 1810 den intelligentenDessinateur Malaine engagierte (derselbe war der Sohn eines„Peintre de fleurs aux Gobelins“, der sich zur Zeit der Schreckens-herrschaft von Paris nach Mülhausen geflüchtet und in der Ta-petenfabrik Jean Zuber in Rixheim Stellung gefunden hatte); denungefähr zu gleicher Zeit geschaffenen Artikel Lapis riches gabKöchlin sogar ausschliesslich in den seither typisch gebliebenenPalmenmustern oder „dessins cachemiriens“ heraus, während erbei den Türkischrot-Aetzdrucken abwechslungsweise geschmack-volle Blumen und Palmetten verwendete. Letztere Erzeugnisse,die er als Nachahmung der farbig gewobenen wollenen Vorlagen mitMerinos bezeichnete, verfehlten nicht, auf dem Weltmarkt in Manu-fakturen ungeheures Aufsehen zu erregen, da sowohl das feurige,äusserst solide Rot des Grundes als auch die lebhaften, unter sich kon-trastierenden Illuminationsfarben die Bewunderung der Käufer alsetwas noch nie Dagewesenes erregten. Nach v. Kurrer konntenNicolas Köchlin & Gebrüder in Mülhausen und Merian & Köchlinin Lörrach die „Merinos riches“ d.h. die vollilluminierten Türkisch-

•) Nach Brockhaus C. L. beherbergte die Stadt Kaschmir im nordwest-lichen Teil des Himalaja im vorigen Jahrhundert 16,000 Webstühle zur Er-zeugung der nach ihr genannten Stoffe; über das in denselben fast aus-schliesslich verwendete Palmblattmotiv berichten die früher zitiertenWerke von Fischbach & 0. v. Schorn und Dr. Hampe’s „Katalog der Gewebe-sammlung des germanischen Museums“ nur sehr kurz, obwohl dasselbe imXIX. Jahrhundert sowohl in der farbigen Weberei von Wolle, Baumwolleund Leinen als auch in der Druckerei, besonders derjenigen der Chäles undMouchoirs, ab und zu eine wichtige Rolle gespielt hat.

’) Dollfus-Ausset’s „Matöriaux“ Bd. I S. 207.