Buch 
Handel und Industrie des Kantons Glarus : geschichtlich dargestellt / Adolf Jenny-Trümpy
Entstehung
Seite
173
JPEG-Download
 

173

7. Die glarnerische Zeugdruckerei im XVIII. Jahrhundert.

Den Grundstein zu der in verschiedenen Perioden blühendenglarnerischen Zeugdruckerei legte der Hauptmann und spätereLandmajor Joh. Heinrich Streiff (als Sohn von Bataillonskomman-dant Frid. Streiff geboren 1709, Landvogt im Thurgau 1768/69,.gestorben 1780), indem er 1740 ein Etablissement in Glarus er-baute. Dasselbe, am Oberdorfbach unmittelbar unter dem jetzigenHeimwesen von Frau Witwe Blumer-Schindler gelegen, bestandaus einem nun seit mehreren Jahren abgetragenen Bureau- undMagazingebäude, der (nach abwärts) darauf folgenden kleinen„Walke“ und dem ansehnlichen Druckereigebäude (seither Gravier-anstalt von Herrn Frid. Zwicki, vormals Firma Wespi & Zwickiund bis zu dem jüngst stattgehabten Brande auch Werkstätte vomHerrn Schreinermeister Gähler). Selbst nicht Kolorist, berief Land-major Streiff, den die direkte familiäre Ueberlieferung als einenenergischen und klarblickenden Mann schildert, einen Herrn Fazy,.der bekannten Indiennesdruckerfamilie dieses Hamens in Genf an-gehörend, zu sich, damit er ihm den Blaudruck-Artikel (Druckvon „Reserveweiss“ mit darauffolgender Indigoküpenfärberei) ein-führe. Fazy, in zürcherischen Quellen Fatio genannt 1 ), brachteeine grössere Anzahl von Jahren in Glarus zu, wenn er auch(wahrscheinlich weil unverheiratet) in den glarnerischen Civil-Standsakten nirgends erwähnt wird. Er kehrte später nach Genfzurück; jedoch noch zu Anfang unseres Jahrhunderts zeigte manin der Fabrik sein ehemaliges Arbeitszimmer, das sog. Fazy-Stüb-chen. Fabrikant Streiff scheint aber auch mit Neuenburg, demdamals wichtigsten Sitz der schweizerischen Druckindustrie, Be-ziehungen unterhalfen zu haben, da seine zweite Frau von dortstammt und da er seinen einzigen Sohn an eine Schule in dieserStadt schickte, wo er als 19jähriger Jüngling starb.

Die Fabrik, die nach Camerarius Tschudi (s. T. I S. 49) „In--diennen“, „Persiennen-facon“ und „Schnupftücher“ erzeugte, er-freute sich eines recht guten Rufes; eine Bestätigung hiefür liegt.

*) Vergl. S. 87, T. II.