Buch 
Handel und Industrie des Kantons Glarus : geschichtlich dargestellt / Adolf Jenny-Trümpy
Entstehung
Seite
215
JPEG-Download
 

!

215

sehr plumpe Formen aufweisen und es trat bei den geringstenUnebenheiten der Holzformen ein Einfliessen und Verschwommen-werden der Umrisse ein.

Die zweite Art, Wollstoffe und zwar namentlich leichte,croisiert gewobene „Serges“ zu mustern, heisst bei v. Kurrer„Berylldruck“, bei Persoz „Impression en relief, genre Bonvalet “und ging wie folgt vor sich: Das Dessin wurde in eine 4 Fusslange und 2—-3 Fuss breite Messingplatte 1 / 2 —- 2 / 3 Linie tief ein-graviert; alsdann trug man eine in ihrer Zusammensetzung denTafelfarben auf Baumwolle ähnliche, verdickte Farbmischung auf,strich den Ueberschuss ab, legte die Messingform, das Gestechnach oben, auf eine durch Feuer heizbare Eisenplatte; darauffolgte in gut gespanntem Zustande der zu bedruckende Woll-Serge und noch ein feuchtes schweres Wolltuch als Mitläuferund elastische Decke. Nun wurde das Ganze in eine Presse ge-bracht, wobei die grosse Hitze der Eisenplatte und der dem Woll-tuch entströmende Dampf einerseits ein dauerhaftes Aufwerfen(„Gaufrage“) des Wollstoffs nach den Formen der Gravüre bewirkteund anderseits eine ziemlich gute chemische Fixation der Farbe ein-trat. Immerhin durfte man diese Druckstoffe nicht waschen; manbegnügte sich, denjenigen Teil der Farbe, welcher allzu oberfläch-lich anhaftete, mittelst kleiner Besen oder Bürsten vorsichtig weg-zuschaben. Die „Serges“ waren gewöhnlich rot, hellblau oder ineiner nicht zu dunkeln Modefarbe uni vorgefärbt, während manfür die schliesslich en relief erscheinende Druckfarbe schwarz oderandere sehr dunkle Töne wählte. In Frankreich war es Bonvaletin Amiens, welcher diese Druckmethode schon seit 1755 aus-übte und damit nach und nach einen bedeutenden Verschleiss undeine gewisse Berühmtheit erlangte. Nach einem 1780 erschienenenBuche 1 ) muss man annehmen, dass sie eigentlich aus Englandstammte, jedoch von Bonvalet bedeutend verbessert worden war;derselbe konstruierte dafür sogar eine Walzendruckmaschine,bei welcher die gravierte Messingplatte um einen walzenförmigenEisenkern, der durch glühende Eisenkugeln oder Kohlen heizbar

’) Roland de la Platiere’s „Art de prdparer et d’imprimer les etoffes eniaines“, wovon Dr. K. Forrer in seiner „Kunst des Zeugdrucks“ (Strassburg1898) Auszüge gibt.