233
4 1 j 2 Franken vom Zentner zu entrichten wären.*) Daneben ist nichtdaran zu zweifeln, dass in diesen Zeiten, da die Maschinenspinnereiin der Schweiz noch sehr schwach entwickelt und der Bezug desenglischen Garns erschwert war, die Handspinnerei da und dortwieder zu Ehren gezogen wurde. Dass dies auch im Glarner-land der Fall war, dafür mögen die T. I S. 115 aus den Jahren1803 und 1807 erwähnten Thatsachen Belege sein; immerhin ge-schah dies ohne dass die Arbeiter dabei einen auskömmlichenVerdienst fanden.
Wenn sich aus den verschiedenen Strömungen und Ereig-nissen der Schluss herausschälen lässt, dass die Kontinentalsperreauf die Baumwoll-Weberei und -Druckerei in der Schweiz stimu-lierend einwirkte, so hätte sich diese Entwicklung in Friedens-zeiten und ohne Sperre gewiss ebenso gut oder noch besser voll-zogen, da eben, wie schon oben angedeutet, die natürlichen Be-dingungen dazu ohnehin vorhanden waren. Und in der That, alsendlich der korsische Löwe an den Felsen von St. Helena gefesselt,und auch die schrecklichen Hungerjahre 1816/17 noch überstandenwaren, da vollzog sich besonders auch im Glarnerland der indu-strielle Aufschwung so rasch, dass die durchgemachten düsternZeiten bald nur noch als ein schwerer, warnender Traum er-schienen. Indem die Druckerei als Fabrikbetrieb naturgemäss vor-läufig den grossem Ortschaften reserviert blieb, lag das volkswirt-schaftlich Wichtigste der Handweberei gerade darin, dass sie alsHausindustrie bis in die abgelegensten Weiler Verdienst bringenkonnte und so in den 1820er Jahren die vorhandenen manig-fachen Schäden heilen half. Im mittlern Teil des Landes warenes namentlich die Ortschaften Mollis, Netstal, Riedern, Ennetbühlsund Schwanden, welche eine nicht unerhebliche Zahl von Hand-webern aufwiesen; viel stärker waren sie jedoch im Sernf- und„Grossthal“, sowie in Niederurnen, Bilten und auf dem Kerenzer-berg vertreten. Gemeinsame Ausübung der Arbeit in fabrikähn-
’) Zu dem schwierigen Amt eines Oberaufsehers der Zollbureaux indieser kritischen Zeit liess sich, schreibt Dr. H. Wartmann, auf die Bittendes schweizerischen Landammanns Wattenwyl der glarnerische LandammannNiklaus Heer, der sich 1805 und 1809 als Oberst-Kriegskommissär der eid-genössischen Truppen bewährt hatte, gewinnen.