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Handel und Industrie des Kantons Glarus : geschichtlich dargestellt / Adolf Jenny-Trümpy
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„Solang der Web er Stuhl ist, wird der Zettel mit einem Leimwasser,,aus Handschuhleder bereitet, vermittelst eingetauchter Bürsten durch unddurch angefeuchtet; sodann werden die obengedachten Schienen, die dasGerispe halten, zurückgezogen, alle Fäden aufs genaueste in Ordnunggelegt, und alles solange mit einem an einen Stab gebundenen Gänse-flügel gefächelt, bis es trocken ist, und nun kann das Weben begonnenund fortgesetzt werden, bis es wieder nöthig wird, zu schlichten.“

„Das Schlichten und Fächeln ist gewöhnlich jungen Leuten über-lassen, welche zu dem Webergeschäft herangezogen werden, oder in derMuße der Winterabende leistet ein Bruder oder ein Liebhaber der hüb-schen Weberin diesen Dienst 1 * ), oder diese machen wenigstens die kleinenSpiihlchen mit dem Eintragsgarn.“

„Feine Musseline werden nass gewebt, nämlich der Strang desEinschlagegarns wird in Leimwasser getaucht, noch nass auf die kleinenSpuhlen gewunden und sogleich verarbeitet, wodurch sich das Gewebegleicher schlagen lässt und klarer erscheint.“

„Ich fand überhaupt etwas Geschäftiges, unbeschreiblich Belebtes,.Häusliches, Friedliches in dem ganzen Zustand einer solchen Weber-stube ; mehrere Stühle waren in Bewegung, da gingen noch Spinn- undSpuhlräder, und am Ofen die Alten mit den besuchenden Nachbarn oderBekannten sitzend oder trauliche Gespräche führend. Zwischendurch liesssich wohl auch Gesang hören, meistens Ambrosius Lobwassers vier-stimmige Psalmen, seltener weltliche Lieder; dann bricht auch wohl einfröhlich schallendes Gelächter der Mädchen aus, wenn Vetter Jakobeinen witzigen Einfall gesagt hat.“

„Eine recht flinke und zugleich fleissige Weberin kann, wenn sieHülfe hat, allenfalls in einer Woche ein Stück von 32 Ellen nicht garzu feine Musseline zu Stande bringen; es ist aber sehr selten, und beieinigen Hausgeschäften ist solches gewöhnlich die Arbeit von vierzehnTagen.“

„Die Schönheit des Gewebes hängt vom gleichen Auftreten desWebegeschirrs ab, vom gleichen Schlag der Lade, wie auch davon, obder Eintrag nass oder trocken geschieht. Völlig egale und zugleichkräftige Anspannung trägt ebenfalls bei, zu welchem Ende die Weberinfeiner baumwollener Tücher einen schweren Stein an den Nagel desvordem Weberbaums hängt. Wenn während der Arbeit das Gewebekräftig angespannt wird — das Kunstwort heiss Dämmen—, so ver-längert es sich merklich, auf 32 Ellen 3 U Ellen und auf 64 etwa l'/iElle;dieser Ueberschuss nun gehört der Weberin, wird ihr extra bezahlt, odersie hebt sich’s zu Halstüchern, Schürzen u. s. w. auf. “

i) Zum Trocknen des mit Schlichte angestrichenen Zettels verwendete man in

späterer Zeit, namentlich bei kaltem Wetter, flache Gefässe mit glühenden Kohlen,

welche allerdings eine schnellere Wirkung ausübten als das Fächeln eines noch so feu-rigen Liebhabers.