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Handel und Industrie des Kantons Glarus : geschichtlich dargestellt / Adolf Jenny-Trümpy
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Veröffentlichung wert sind als sie verschiedene Streiflichter vonallgemeinem Interesse enthalten und u. a. die Art und Weise aufsgenaueste veranschaulichen, wie in Glarus manche „Fabrikler“sich zu „Fabrikanten“ emporarbeiteten. Herr Becker schrieb, inetwas abgekürzter Form wiedergegeben, Folgendes: •

„Als ich 1820 das Licht der Welt erblickte, herrschte in unsermHause die grösste Armut; mein Grossvater Jakob Becker hatte am Endedes XVIII. Jahrhunderts in Rouen, gleichzeitig wie sein Schwager .TakobAebli älter, Wattenmacherei und Strohhuthandel getrieben, war aber in denStürmen der damaligen Zeit um das Erworbene gekommen und liess in derFolge nichts mehr von sich hören; er soll später, wie ein Konsulatsberichtmeldete, Schiffskapitän auf der Route New-York - Havre geworden sein.—

Meine Grossmutter war durch die Schicksalsschläge verbittert und hartgeworden, so dass sie bei mir nicht im besten Andenken steht. Als ich4 Jahre alt war, meinte sie, jetzt könne ich wohl mithelfen, mir meinBrod zu verdienen, und so kam es, dass ich von dieser Zeit an immerarbeiten musste, während andere Kinder noch lange in ungebundener Frei-heit sich ihres Lebens freuen konnten. Im Sommer half ich meinem Vater,der Holzer und Heuer war, und im Winter hiess es von früh bis spät amSpuhlrad sitzen, wobei es nicht selten noch Schläge absetzte, wenn dieZettlerfrauen mit meinen Leistungen nicht zufrieden waren. Ein Ries Garn ♦

hatte 32 Spuhlen, jede Spuhle 4 Schneller und ein Schneller 7 Rickli;

Spinnerlohn per Ries 16 ß bei trocknem Garn und 17 ß, wenn wir es nassabholten und selber trockneten. Wenn Vater, Mutter und ich 2 ganze Tagefleissig waren, so konnten wir ein Ries fertig bringen. Als ich 6 Jahrealt war, forderte Dekan Balth. Marty meinen Vater auf, mich in die Schulezu schicken; derselbe wddersetzte sich jedoch und sagte: „„DerBueb istmjnä und da lu mer ich nüd befählä.““ So wuchs ich auf, ohne je ineine Schule zu gehen 1 ), lernte aber dennoch schon frühe lesen, und dasging so zu: Meine Grossmutter besass ein Gebetbuch, worin u. A. für jedender 7 Wochentage besondere Morgen- und Abendgebete enthalten warenund die sie regelmässig vorlas. Da ich stets mit Andacht zuhörte —musste ich ja doch unterdessen nicht spuhlen — und von Kind an ein sehrgutes Gedächtnis hatte, konnte ich diese Morgen- und Abendsegen baldauswendig und musste nun den „Vorleser“ machen, wobei ich die Buch-staben kennen und nach und nach so gut lesen lernte, dass ich im Früh-ling hoffte, mit der Mehrzahl der andern Kinder an den „Schulherren“ 2 )

') Der Volksschul-Unterricht wurde in der Gemeinde Ennenda erst um1835 und zwar nur bis zum erfüllten 10. Jahr, im ganzen Lande Glarus so- '

gar erst 1837, und zwar bis zum erfüllten 12. Jahr, obligatorisch erklärt. f

(Vergl. Gottfried Herr’s „Geschichte des glarnernerischen Volksschulwesens“im Jahrbuch des Histor. Vereins des Kantons Glarus, Heft 18 u. 19).

2 ) Damit hatte es, nach den vom Verf. eingezogenen Erkundigungen,folgende Bewandtnis: Um unter den Kindern mehr Lust und Trieb zum