381
teilnehmen zu können. Dabei surrte mich aber der alte Schulmeister DavidJenny ab, indem er sagte: ,,„Ruedi, Du bist nie i d’Schul chu und darfstdrum au niid vor d’Herrä!““ Noch heute erinnere ich mich des bitternGefühls der Armut, das damals meine junge Seele bedrückte. Ich solltenun in die kaum eröfinete Druckfabrik auf dem „Holenstein“, um dort als„Streicher“ 2 Batzen oder 6 ß und 2 Rappen täglich zu verdienen ; schonnach wenigen Tagen schickte man mich kleinen Knirps jedoch wieder heim,an einer Schnur einen „Liilli“ (Lutschen) um den Hals gehängt. Ich kamaber nun doch bald (mit etwa 6 7, Jahren) an eine Fabrikarbeit und zwarals Spinnerknabe in die hiesige Spinnerei von Daniel Jenny, wo ein ge-lernter „Aufstecker“ 1 Gulden per Woche verdienen konnte. Da hiess esnun von Morgens 5 bis Abends 8 Uhr an der Arbeit sein, mit einer StundeMittagsrast und einigen andern kleinen Zwischenpausen. Wenn der Föhnwehte, konnten wir tags heim, was unter der Jugend einen hellen Jubelhervorrief; aber o weh, wenn er am andern oder am zweitfolgenden Tage„heimgegangen“ war, mussten war die versäumte Zeit durch Ueberstundennachholen. Mit der Zeit lernte ich auch etwas schreiben und zwar nach denin Schreibmanier gedruckten Schriftzügen, welche ich anf einem Extrablattin einer alten, meiner Grossmutter gehörenden Grammatik von „Meidinger“gefunden hatte. Als ich mit 12 Jahren in die „Unterweisung“ kam, warPfarrer Marty nicht wenig überrascht, dass ich ohne Schule lesen undschreiben gelernt hatte; mit der Orthographie stand ich freilich noch langeauf gespanntem Fusse. Inzwischen hatte ich die Spinnerei wieder ver-lassen und „streichen“ und in der Folge auch „drucken“ gelernt. Nungab es damals noch viele Drucker, die sich für einige Jahre in die Fremde,,hach Mülhausen, Paris und Rouen oder nach dem Vorarlberg und Böhmenbegaben, teils um die Welt zu sehen, teils auch um etwas mehr zu ver-dienen, da dort fremde gelernte Drucker meistens ziemlich gut bezahltwurden. Wenn dann so ein Wahrsager Marx oder Geisser Peter und nochmanche Andere von ihren Erlebnissen erzählten, hörte ich mit Spannungzu, wie die Katze am Mausloch, und nahm mir vor, bald möglichst eben-falls die Fremde zu kosten. Wirklich zog ich dann am 2. Januar 1840aus, in der Tasche anstatt eines gefüllten Geldbeutels ein grosses Stück
Schulbesuch wach zn rufen, veranstaltete man alljährlich an einem SonntagNachmittag nach Ostern unter dem Namen „Schulherren“ eine kleine kirch-liche Feier (mit Gesängen und Recitationen), an welcher jedem Schulkinde einkleines Geldstück, in den untern Klassen ein „Neunehälberli“ (9‘/ 2 Schillinge),in den obern ein „Fünfbätzler“ verabreicht wurde; ausserdem erhielt je derbeste Schüler und die beste Schülerin einer jeden Klasse ein „Kränzchen“d. h. einen halben Reichsgulden, welcher, mit einem kleinen Ringe versehen,vermittelst eines farbigen Seidenbandes an einem kleinen lackierten Stabehing; der zweitbeste Schüler (bezw. Schülerin) wurde unter dem Namen„Ehrenzeichen“ in gleicher Weise, jedoch mit einem kleinern Silberstück(einem „Vierundzwanziger“ = 24 Kr. oder 6 Batzen) bedacht. Ob diese Sitte,welche später zur Veranstaltung eigentlicher „Jugendfeste“ führte, auch inandern Gemeinden bestand, ist dem Verf. nicht bekannt.