Buch 
Handel und Industrie des Kantons Glarus : geschichtlich dargestellt / Adolf Jenny-Trümpy
Entstehung
Seite
372
JPEG-Download
 

372

vielfarbigen, meistens mit Wollfransen ausgerüsteten „Levan-tiner-Chäles“ 1 ), welche nichts anderes waren als abgepasste,auf Croise 10/4 Tuch gedruckte „Palmen“ und „Orientalen“. —Sofort nahmen die Firmen Friedrich Streiff & Cie. in Mollis undHeinrich Brunner in Glarus und in der Folge die meisten andernFabriken deren Erstellung auf und lieferten den Artikel auf croi-siertem und glattem Tuch, in den Breiten von 9/4 bis 14/4. Um diegleiche Zeit hatten sich auch zürcherische Drucker mit demselbenbefasst, dabei aber, wie es scheint, keine Konvenienz gefunden;denn ein Brief aus dem Jahr 1829 meldet, Paul Meyer in Zürich,ein Druckfabrikant von bedeutendem Vermögen, liquidiere seinGeschäft und habe die Druckmodelle für die Levantiner Chälesan Friedrich und Joh. Heinrich Glarner älter in Glarus verkauft.Auch die Konkurrenz des Elsasses machte sich in der Folge nichtmehr fühlbar, da bei dem allmäligen Wiedererstarken Frankreichsder einheimische Markt der dortigen Industrie vollauf genügte undsich dieselbe überdies mehr und mehr vom Tücheldruck ab undfast ausschliesslich der Fabrikation solidfarbiger „Indiennes“ und„Meubles“ in Rouleaux- und Handdruck zuwandte. — Für dasGlarnerland dagegen blieben die bunten falschfärbigen oder halb-ächten Woll-Imitationen fortwährend ein wichtiges Arbeitsfeld;mit ihnen (und mit den „Lapis“) nahm der bisher unbedeutendeKonsum in Croise-Tüchern (vgl. S. 273) stark überhand; auch habenwir in jenen Levantiner-Chäles die Vorläufer der Yasmas oderTürkenkappen zu erblicken.

Die Einführung der Dampffarben 2 ) zur Kombination mitden Tafelfarben, oder nach Umständen auch zum gänzlichen Er-satz derselben brachten eine Bereicherung und Verbesserung derFarbenscala der Levantiner-Chäles und aller ähnlichen Genres.Friedrich Streiff & Cie. (um 1830), Egidius Trümpy (1833) undHeinrich Brunner dürften die ersten Fabriken gewesen sein, welchesich die neue Fixationsart zu eigen machten. Da man damals in

’) „7/4 Leventiner-Tüchel“ oder „Levantini“ tauchen in kleinen, ver-einzelten Posten schon in Messe-Rechnungen von 1808—1810 zu dem hohenPreis von fl. 13 per Dutzend auf; es dürfte sich jedoch dabei um einen andernArtikel gehandelt haben.

0 Vgl. S. 219.