Buch 
Handel und Industrie des Kantons Glarus : geschichtlich dargestellt / Adolf Jenny-Trümpy
Entstehung
Seite
577
JPEG-Download
 

577

kaufte. Diese nahmen am 8. April 1859 ein Patent darauf, nanntenden neuen Farbstoff (bezw. dessen Verbindung mit Salzsäure)„Fuchsin“ und erzielten damit einen riesigen Erfolg; nach kurzerZeit Hessen sie Fabrikation und Vertrieb desselben an eine Ak-tiengesellschaft mit 4 Millionen Kapital und dem Firmennamen„La Fuchsine“ übergehen. Aber auch der erste Entdecker, Hof-mann, fühlte sich mehr und mehr berufen, neben andern theoreti-schen Studien den zukunftsreichen Theerfarbstoffen seine volleAufmerksamkeit zu widmen; es gelang ihm 1862 das Fuchsinin ein prachtvolles, wenn auch vorläufig nur in Alkohol löslichesViolett („Hofmanns Violett“) überzuführen und diese Umwand-lung sowie auch die Zusammensetzung der Rosanilinbasetheoretisch zu erklären; etwas später gelang ihm, gleich-zeitig mit dem französischen Chemiker Girant, die Ueberführungdes Violett in ein schönes Anilin-Grün („Jodgrün“). 1865 nahmHofmann einen Ruf nach Berlin an, gründete hier 3 Jahre späterdie „Deutsche chemische Gesellschaft “ und erwarb sich um dieEntwicklung der Farbenchemie in Deutschland durch seine Ab-handlungen und sein Lehramt grosse Verdienste. Inzwischen hattensich französische, englische und deutsche Chemiker und Praktikerum die Wette angestrengt, auf der einmal eröffneten Bahn fort-zuschreiten und immer neue, prächtigere Farben durch Verarbei-tung der Grundstoffe des Theers zu gewinnen. 1 ) 1860 gelangGh. Girard und de Laire durch weitere Behandlung des Fuchsinsdas „Violetimperial“ und das prachtvolle, alkohollösliche „Bleude Lyon“ herzustellen, welch’ letzteres der Engländer Nicholsonvon1862 an in die wasserlöslichen, noch heute im Gebrauch stehenden,

Ö Wir benutzten im Folgenden namentlich die schon S. 57B Anmerk. 1angeführte, bei Anlass der Schweiz. Landesausstellung von 1896 in Genf ver-fasste Broschüre, welche neben einem geschichtlichen Ueberblick über dieEntwicklung der gesamten Farbenchemie speziell auch ein Bild der Leistungender schweizerischen Farbenfabriken von ihrer Entstehung an bis zurGegenwart entwirft. Mehrere Ergänzungen boten sich durch private Erkundi-gungen sowie in Graham-Otto’s ausführlichem „Lehrbuch der Chemie“, inder kurzen Abhandlung „Die künstlichen organischen Farbstoffe nach sechsVorlesungen von Prof. Dr. E. Noelting“, bearbeitet von Br. Paul Julius (Berlin 1887, B. Gärtner’s Verlagsbuchhandlung) und in einem von Dr. Hermann Regverfassten Bericht über die chemische Industrie an der Basler Gewerbeausstel-lung von 1901.

37