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Handel und Industrie des Kantons Glarus : geschichtlich dargestellt / Adolf Jenny-Trümpy
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Dabei ist nicht ausser Acht zu lassen, dass die Theerfarben-Industrie billige Rohmaterialien durch eine Summe geistiger, phy-sischer und maschineller Arbeit in Erzeugnisse von relativ hohemWerte verwandelt, während die sog. chemische „Grossindustrie“(Chemie der meistens unorganischen Hilfsstoffe), in welcher Eng-land noch immer die erste Stelle einnimmt, mit grossen Massen,und geringen Werten rechnet.

Es ist einleuchtend, dass die Theerfarben in der Druckereiund Färberei von Wolle, Seide und Baumwolle eine gewaltigeUmwälzung hervorgebracht haben; in der Wollen- und Seiden-färberei waren anfänglich die Aenderungen besonders eingreifend,da die schönen neuen Farbstoffe der ersten Periode die Fähigkeitaufwiesen, die tierischen Fasern ohne irgendwelche „Beizen“oder andere Fixationsmittel wasserecht zu färben. Mit der Be-festigung auf der Baumwolle stand es schon schwieriger; jedochwurden auch hier bald Mittel und Wege dazu gefunden. In derzweiten Periode (von 1869 an) sehen wir nicht nur immer neue,,glänzende, bisher unbekannte Farben töne auftauchen, sondernwurde das Bestreben von Erfolg gekrönt, die wichtigsten natür-lichen Farbstoffe direkt durch entsprechende Kunstprodukte zu.ersetzen. Eine dritte Periode begann mit der Erfindung derder Mehrzahl nach dem Naphtalin entstammenden sog. substan-tiven oder „Direktfarben“ (1883 das „Sonnengelb“ aus derFabrik J. B. Geigij & Cie. und das „Canarin“ von L. Durand,Huguenin & Cie.; 1884 das „Congorot“ des Privatchemikers-P. Böttiger, welcher das bezügliche Verfahren der „Aktiengesell-schaft für Anilinfabrikation“ in Berlin verkaufte; 1884/5 „Chry-sanin“-gelb,' „Benzopurpurin“-rot und „Benzoazurin“-blau.der Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Cie. und ungefähr gleich-zeitig die „Diaminfarben“ von Leopold Cassella & Cie. in Frank-furt a./M.); damit waren mit einem Schlage für alle drei sog.Grundfarben wasserlösliche Materialien gefunden, welche auch dieBaumwolle ohne Fixationsmittel wasserecht zu färben ver-mögen, was bisher nur bei vereinzelten natürlichen Farbstoffen *)■

*) Bei dem Gelb der Curcumawurzel, dem Orangegelb des Rocou, demteuren Rosa der Blüten des Safflors oder wilden Safrans, dem Soga-braunvon S. 447.