„gereinigten“ Krapp (ähnlich den später als „Flenr de Garance“ und„Pincoffine“ bekannt gewordenen Produkten) gehandelt haben soll.Die grosse Mehrzahl der Färber im In-und Ausland blieb, wie schongesagt, bei den alten bewährten, wenn auch umständlichem Me-thoden. Auch das künstliche Alizarin schien daran vorläufig nichtviel zu ändern; man versuchte mit demselben anfänglich den Krappnur zum Teil zu ersetzen und nur wenigen Färbereien schien es ge-raten, mit letzterm ganz aufzuräumen. Das neue Produkt musstenamentlich bei der Garnfärberei, wo die bisherige grosse Mengeholzigen Pulvers lästig fiel, willkommen sein; in der That wird 1denn auch gemeldet, dass die bedeutende Garnfärberei J. J. Brunn-schwylers sei. Witwe' 1 ) in Hauptwil (Kt. Thurgau) schon 1873 be-deutende Abschlüsse in Alizarin machte und dass die andernziemlich rasch nachfolgten; bei den Stückfärbern ging die Firma.H. Sulzer in Aadorf damit voraus, lieber den damaligen Standder schweizerischen Türkischrotfärberei lesen wir in dem1874 veröffentlichten, schon S. 620 erwähnten „Bericht über die-Wiener Weltausstellung von 1873“:
„Die schweizerische Bothfärberei hatte schon seit 40—50'Jahren, durch alle Lande einen vortheilhaften Euf und befindet sich auchheute noch in vorzüglichen Händen. Diese Industrie ist von den Fort-schritten der Mechanik noch wenig berührt worden; sie stützt sich aufchemische Geheimnisse und auf gut eingeübte, gewissenhafte Arbeiter. Wiedas Indigoblau, so kommt auch das Tiirkischroth aus dem Osten. Es ist.von unverwüstlicher Solidität; weder Sonne noch irgend eine Wäsche ver-mögen es zu bleichen; seine feurige Farbe ist ein belebender Vermittlerfür alle andern Hauptfarben; darum hat es als einfarbiges Baumwolltuch undals Garn für die Buntweberei in allen Ländern der Erde einen grossen Consum.
Die Ausstellung in Wien zeigte, dass man sich überall, wo die Baum-woll-Industrie zu Hause ist, grosse Mühe gibt, um den Bedarf des eigenenLandes in türkischrotem Garn und Tüchern selbst zu decken. Die erstkürzlich durch die Chemiker Liebermann und Graebe in Berlin gemachteErfindung des künstlichen Alizarin, welches den Crapp ersetzen soll, hatin der ganzen Bothfärberei eine grosse Bewegung hervorgerufen. Die An-sichten über den Werth der Erfindung sind noch getheilt, allein das Alizaringewinnt mehr und mehr die Oberhand. Für die Garnfärberei hat das-selbe schon eine sehr allgemeine Verwendung gefunden, dagegen hat derCrapp für die Stückfärberei noch den Vorzug. England, Oesterreich,.
*) Im Uebrigen treten wir auf die Garnfärberei nicht weiter ein, da.uns hierüber kein selbst gesammeltes Material zur Verfügung steht.