Basilika.
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8) 0 r i e n t i r u n g und B a u 1 i n i e , s.Orientirung.
9) Aesthetische Wirkung. Deco-r a t i o n. Der Mangel architektoniselier Glie-derung in der altehristliehen B. machte denEindruck grosser Einfachheit und Nüchtern-heit. Gerade darum aber wirkt ihr Anblicknoch jetzt so bedeutend. ..Betrachtet mandiese Basiliken mit architektonisch gewohn-tem Auge, so entbehrt man nicht nur jedesreiche, schmeichelnde Detail, sondern manentdeckt leicht manches Unzusammenhän-gende, Widerspruchsvolle, Rohe. Aber dieWirkung des Ganzen ist dennoch eine höchstwohltluitige, erhebende und beruhigende,und man darf nicht zweifeln, dass die gross-artige Einfachheit, mit welcher hier dieGrundzüge christlicher Architektonik dar-gelegt sind, sehr viel dazu beiträgt. Wirfühlen einen Anfang, der den weitern Fort-schritt der Jahrhunderte ahnen lässt; wirsehen die einfache Grundform aller späterenchristlichen Tempel klarer und verstand-!lieber, als sie uns bei reicheren Formationenentgegentreten würde. Es ist gewiss, dassdiese Form nicht das Werk einer künst-lerischen Ueberlegung, sondern ein unmit-telbares Erzeugnis des Bedürfnisses war.Der geistigere Gottesdienst, die Gemeinsam-keit des Cultus forderte den grossen, ge-schlossenen Raum; die herkömmliche Son-derung der Geschlechter und Stände machtedie Mehrzahl der Schiffe, die Heilighaltungdes Altars das geräumige Sanctuariurn nö-thig, das Ablesen der hl. Schriften bedingtedie hellere Beleuchtung. Hier, wie immer,erzeugte der Cultus die architektonischeGrundform. Es war wieder ein einfacherFormgedanke, wie der des Säulenhausestür die griechische Architektur, der aberebenso wie dieser der fruchtbare Keim derweitern Entwicklung wurde. Die Erbauerdieser Basiliken haben also dennoch einegrosse künstlerisch wirksame That vollbracht,deren freilich sie selbst und ihre Zeitge-nossen sich nicht bewusst waren, und diekeinem Einzelnen beizumessen ist, sondernaus der Gesammthoit der christlichen Ge-meinden hervorging. Gerade das ist dasRigenthüni liehe der Architektur, dass ihrehöchsten Grundgedanken nicht von Einzel-nen entdeckt oder erfunden, sondern dasssie unbemerkt und anspruchslos, gleichsam53 ^ ln k <> ' l b geboren werden 1 (Schn/iase IIT
... ästhetische Wirkung der Basiliken waru irigens keineswegs durch die Bauformena ein bedingt; sie ward in einem Masse,von dem der gegenwärtige Zustand derselbenjaum mehr eine Vorstellung giebt, durch*o praclitvol le l n n e n d e c o r a t i o n ge-d'!* > ' cse Decoratiou bestand theils in11 erwendung kostbarer Marmore, mit
denen der Fussboden und die Wände aus-gelegt wurden, ebenso kostbaren Holzes(Cedernholz) für Getäfel und Decke, theilsin reicher Vergoldung des Gebälkes u.s. f. Ausserdem fehlte es nicht an künst-lichen Sculpturen, wie denn namentlich dieAltarschranken aus zierlicher netzförmigerArbeit gebildet waren. Die Wände undFenster wurden mit prächtigen Teppichenverhängt, und ein reicher Baldachin über-schattete die Altarmensa. Goldene und sil-berne Gefiisse, die auf den Altären aufge-stellt wurden, mächtige Candelaber aus Erzerhöhten die Fracht; vor Allem aber wares die m u s i v i s c b e Ausmalung derConcha, des Triumphbogens, oft auch derOberwand des Mittelschiffes und der West-front wie der Vorhalle, welche einen ge-waltigen Eindruck machten. ,Namentlichgilt dies von den Mosaiken in der Concha;meistens colossale Gestalten, vereinzelt, ganzgerade dem Beschauer entgegengekehrt,schwebend oder doch leicht auf dem ange-deuteten Fussboden stehend, auf blauemoder goldenem Grunde, von ernstem Aus-druck , von einfacher, strenger Gewandbe-handlung. Die imponirende Erscheinungdieser hohen Gestalten bemächtigt sich desEintretenden und zwingt ihn gleichsam, imehrfurchtsvollen leisen Schritte den Gangzu der hl. Stätte zurückzulegen, welchedurch den Glanz des Goldgrumles-oder durchdie lichten Farben recht deutlich sich alsdas Ziel des Strebens zu erkennen giebt.So ist denn der Eindruck dieser Gebäudeein sehr wohlthätiger, ernst und doch nichtmit weltlicher Consequenz, heiter und dochwehmiithig, vor Allem bescheiden und dochreich' (Schnaase III 59).
10) Entwicklung der B. Wie dergriechische Tempel gleich einer plötzlichenOffenbarung uns auf einmal als etwas Fer-tiges entgegentritt, so zeigt sich die christ-liche B. sofort bei ihrem Auftreten in denTagen Constantins als etwas in ihrer ArtVollendetes. Gleiclnvol kann von einer Ent-wicklung gesprochen werden; provinzielle,locale Einflüsse haben auf die Gestaltungder B. wie im Ganzen so namentlich in denDetails eingewirkt, und so lassen sich dennmehrere Gruppen unterscheiden, die zumTheil auch zeitlich Phasen der Entwicklungdarstellen. Die erste dieser Gruppen istdie abendländisch-römische, mit derübrigens auch im Orient die meisten Basi-liken der frühem Zeit im Wesentlichen über-einstimmen. Es lassen sich da verschiedeneKlassen von Basiliken unterscheiden. Dievon mir früher adoptirte ZestermannscheClassification ist imless nicht haltbar. Ze-stennann nimmt als erste und primitivsteKlasse diejenigen Basiliken an, die ein ein-faches Oblongum, ohne Ausbuu, darstellen,