178
Bücherrollen.
dessen Incarnation. Martigny nennt auchGott den Vater, und findet denselben dar-gestellt bei Bottari Tav. 84, wo ein bärtigerGreis dem Moses bei dem Dornbusch erscheint.Aber nach der Auffassung der Väter ist esjedesmal der Logos, der sich der Mensch-heit offenbart, und es muss auch hier anihn gedacht werden. Ein zweites Beispiel,welches Martigny für seine Ansicht bei-bringt, ist die Taufe des Agilulf auf einemSarkophag des 6. (?) Jahrh. bei CiampiniVett. Mon. ff, tav. 5. Die Hand Gottes,welche aus den Wolken über den Tauf-stein herabreicht, hat einen länglich ge-krümmten Gegenstand in der Hand, in wel-chem ich kein Volumen erkennen kann.Wäre es eher ein Salbfiäschchen, um dashl. Oel (vgl. Reims und die Taufe Chlod-wigs) anzuzeigen?
Auf den Wandmalereien der Katakombensieht man Christus gewöhnlich ohne Buchseine Wunder wirken. Mit dem Buch er-scheint er einmal ( Perret I, pl. 29) auf dereinzigen Darstellung des Abendmahls. Umso häufiger treffen wir ihn mit dem Vo-lumen auf den Reliefs der Sarkophage. Istder Erlöser thätig, mit Wunderwirken be-schäftigt, so trägt er die Rolle zusammen-gerollt in der Linken; vgl. Bosio Tav. 61,63, 67, 69, 75, 85, 157, 261, 285, 293, 295,423, 425, 427, 429, 565; de Rossi R. S.Hl, Tav. 40. Lehrt er, so ist die Rolleaufgerollt und zuweilen mit Schrift bedeckt,so Bosio p. 423; vgl. Allegranza Sacr. mon.di Milano tav. 1. Zur Andeutung seinerHerrschaft über die beiden Testamente siehtman auch in einer oder zwei Cisten Buch-rollen, ohne Zweifel die hhl. Schriften, ihmzu Füssen stehen. Bosio 221, Aringhi I579, n. 213, Ferret H, pl. 50. Vielleicht,ja wahrscheinlich gehört hierhin auch dieDarstellung hei de Rossi R. S. Hl, tav. 38,wo hinter und vor einer sitzenden (oh männ-lichen?) Figur zwei solcher Cisten gesehenwerden. Sitzende Lehrer, über deren Cha-rakter wir im Ungewissen sind, giebt Bosio235 und de Rossi R. S. II, tav. 17. Cistenohne die Rollen hat Bosio 311. Geöffnetist auch die Rolle, wo er sie Fetrus iiber-giebt, z. B. auf dem Mosaik von S. Co-stanzn, wo die Rolle die Aufschrift DOMI-NVS PACEM DAT trägt (Ciampini De sacr.aedif. tab. 32).
b) Anscheinend die M a d o n n a, Bosio 291.
c) Die Patriarchen und Prophe-ten (?); Martigny behauptet dies nach Du-randus, ohne indessen aus dem Alterthumein anderes Beispiel als Moses beizubringen.Moses erhält das Buch mit dem Gesetz ausder Hand Gottes, s. Bosio 59, 73, 295,367, 393, 411 u. s. f., erscheint aber sonstnie mit dem Volumen; nur einmal, beiGarrucei Vetri tav. II 10 , sieht man es hin-
ter seinem Kopfe, im freien Felde. ImUebrigen ist mir kein Beispiel von Patri-archen und Propheten bekannt.
d) Die Apostel, wo sie auf Sarkopha-gen und Mosaiken um Christus geordnetsind, tragen meist in der Linken die ge-schlossene Buchrolle als Abzeichen ihrerSendung als Lehrer der Völker ( Bosio 53,57, 59, 61, 65, 67, 69, 75, 77, 79, 81, 83,87, 101, 155, 157, 159, 221, 285, 287, 291,293, 295, 411, 425, 427, 475, 565; Ciam-pini Vett. Mon. I, tav. 66 u. s. f.). Be-sonders häufig haben Petrus und Paulus dieses Abzeichen. Auf den Goldgläsernsieht man ein Volumen zwischen beiden,darüber meist eine kleine Krone; vgl. z. B.Garrucei A r etri tav. 13. Soll dadurch, wieMartigny vermuthet, die Einheit ihrer Lehreangedeutet werden ? Auf den Mosaiken be-gegnet man den beiden Aposteln mit auf-gerollten Volumina. Die Apsidialmosaik deralten S. Peterskirche zeigte sie zur Rech-ten und Linken des sitzenden Erlösers; aufdem Spruchband Petri stand : XPS FILIVSDE! VIVI, auf demjenigen Pauli: MIHIVIVERE CIIRISTVS EST.
e) Bischöfe und andere Heilige. Zuerwähnen sind hier einige Goldgläser: Gar-rucci tav. 20 6 mit der Inschrift: LAV-RENTIVS — CRIPRANVS (Cyprian ), zwi-schen beiden Heiligen liegt noch ein Vo-lumen am Boden. Interessant ist die Dar-stellung namentlich, weil die Volumina inder Hand des Laurentius und Cyprianusdas Fittacium aufweisen, einen Streifen Pa-pier , eine Art Etikette, die an dem Um-bilieus zuweilen befestigt war und auf wel-chem die Nummer der aufrecht in der Cap-sula stehenden Rolle angeschrieben wurde(vgl. Winckelmann Opp. ed. Prat. VII 13).Weiter hat Laurentius das Volumen beiGarrucei t. 20’, wo er auffallender Weisein der Mitte zwischen Petrus und Paulus sitzt. Eh. 24 3 u. 8 haben T1MOTEVS undSVSTVS Volumina in den Händen und zurSeite. Eb.' 23’ tragen es IVLIVS undELECTVS. Martigny sieht in der Dar-stellung dieser beiden Heiligen zur Rechtenund Linken des die Arme über sie aus-breitenden Erlösers eine Diakonenweihe.Aber das Glas ist beschädigt und die aus-gebreiteten Hände Christi können ebenso-wol Kronen getragen haben, wie so oft,wo Christus zwischen zwei Heiligen er-scheint. Der Schluss Martigny’s, dass auchLectoren mit den Volumina dargestellt wer-den, ist also, so glaublich dies ist, unge-rechtfertigt, abgesehen davon, dass wir garnicht wissen, wer fulius und Electus waren.Eb. 23 + sieht man Christus mit ausgebrei-teten Händen (ohne Kronen) zwischen IV-LIVS und CASTVS, von denen nur dererstere eine Rolle hat.